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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

16JUN2021
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Hobbygärtner kennen das Problem. Man pflanzt eine Staude, eine Rose oder auch ein Bäumchen – und nichts tut sich. Warum treiben die Blätter nicht aus? Warum springen die Knospen nicht auf? Wieso trägt der Baum keine Früchte?

Da hat man sich alle erdenkliche Mühe gegeben. Gegossen, gedüngt, geschnitten. Anscheinend war alles vergebens. Enttäuscht überlegt man, ob man dem Trauerspiel ein Ende macht und die Pflanze entfernt.

Ein Sprichwort aus der Toskana rät zur Geduld: „Du kannst noch so oft an einer Olive zupfen, sie wird deshalb nicht früher reif.“

Auch Jesus hat da ein Gleichnis parat. Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt. Aber die erhofften Früchte bleiben aus. Und das über drei Jahre. Jetzt ist die Geduld des Mannes zu Ende. Seinem Winzer befiehlt er: Hau ihn um! Der Winzer aber widerspricht seinem Chef: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!“ (Lk 13, 8-9)

Ob die Geschichte ein Happy-End hat? Wird der Feigenbaum doch noch Früchte tragen? Das wird nicht erzählt.

Natürlich ist das Gleichnis kein Ratgeber für Gartenfreunde. Jesus geht es – wie in allen seinen Geschichten – um das Reich Gottes. Und da ruft er die Zuhörer zu einer Entscheidung auf: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1, 15)

Aber es zeigt sich: Viele seiner Zuhörer tun sich schwer, die Einladung gleich anzunehmen und sich auf die Botschaft Jesu einzulassen. Ihre Entscheidung muss wohl noch reifen. So bleibt die Hoffnung, dass Gott geduldig ist.

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