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SWR2 Wort zum Tag

09JUN2021
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Vergebung - sein ganzes Leben lang hat er sich mit diesem Thema herumgeschlagen, privat und politisch.  Hammarskjöld, der große UNO-Generalsekretär, vor 60 Jahren gestorben, wollte unbedingt mit sich selbst im Reinen sein. Die Friedensarbeit mit sich selbst und die zwischen den Völkern waren für ihn untrennbar. Sein Tagebuch gibt Einblick in diese aufregende Lebenswerkstatt, eine schier unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Da heißt es z.B.: „Verzeihen ist die Antwort auf den Kindertraum vom Wunder, wodurch das Zerschlagene heil wird und das Schmutzige rein. In einem solchen Sinn bedürfen wir der Verzeihung und müssen sie geben.“ Hammarskjöld hat Recht: Der Friedensschluss mit anderen und die Versöhnung mit mir selbst hängen unverzichtbar zusammen. Bin ich mit mir im Reinen, kann ich vergebend auf andere zugehen. Verzeihen kommt von Verzicht: wir hören auf, einander etwas vorzuwerfen oder nachzutragen, wir verzichten auf Rache und sogar auf Wiedergutmachung. Aber das ist leichter gewollt als getan. Für Hammarskjöld kommt da jenes Geheimnis ins Spiel, das wir Gott nennen. Er fährt im Tagebuch unmittelbar fort: „Im Erleben Gottes steht nichts zwischen ihm und uns, es wird uns verziehen. Aber wir können ihn nicht erleben, wenn irgendetwas zwischen uns und anderen stehen darf.“  Wo Versöhnung gewollt wird und gelingt, ist sie ein Geschenk von woanders her. Gottes vergebende Liebe wird alltäglich konkret, wo wir einander vergeben. Im Vaterunser nach Matthäus wird das sogar zugespitzt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben unseren Schuldigern“. Gottesbeziehung und Nächstenliebe sind untrennbar.

Vergebung ist für Hammarskjöld der goldene Schlüssel zum Leben. Es braucht immer wieder den Mut zum ersten Schritt, und das in zweifacher Richtung. Wenn ich um Vergebung bitte, muß ich mich ja meiner eigenen Schuld stellen und sie eingestehen; ich muß mir die Blöße geben, bedürftig zu sein und abhängig. Wenn ich anderen vergebe, muß ich ebenfalls über meinen Schatten springen und z.B. auf Rache wirklich verzichten. Und beide Male wird spürbar, was mit dem Namen Gottes biblisch verbunden ist: nichts als zuvorkommende Güte. Und davon gilt es Gebrauch zu machen, um des Weltfriedens willen.

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