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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

11JUN2021
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Bin ich schon das, was ich werden soll? Auf diese Frage bin ich bei einer Freizeit mit Soldaten gestoßen.

Wir sind eine Woche in Brandenburg gewesen, um gemeinsam Bögen zu bauen und das intuitive Bogenschießen zu erlernen. Unter der fachkundigen Anleitung von Herbert haben wir einen Haselnussstock bearbeitet: Einen Tag lang haben wir gesägt, gehobelt, geschliffen – und zum Schluss eine Sehne angepasst und den Bogen vorsichtig gespannt. Abends hatte jeder einen ganz eigenen, individuellen Bogen hergestellt. Auch meinen Bogen hat Herbert immer wieder sorgsam geprüft und ihn mir zum Schluss mit einem bedeutsamen Satz in die Hand gedrückt. „Sei behutsam. Dieses Holz weiß noch nicht, dass es ein Bogen ist.“

Ich habe spontan einen gedanklichen Bogen zu uns Menschen gespannt: „Wir Menschen wissen auch oft noch nicht, was wir eigentlich sind.“ Klar: Von der Biologie oder der Genetik her sind wir Menschen. Wir können Dinge, die nur Menschen können. Und in Deutschland leben wir in einer Gemeinschaft, die sich darauf geeinigt hat, dass jeder Mensch Würde hat.

Die Bibel geht noch ein bisschen weiter. Sie formuliert den Glauben, dass wir durch Gottes Geist eine bestimmte Qualität haben: Wir sind Gottes Kinder. Herberts Worte machen mir deutlich, dass es ein Lernprozess ist, in diese Wirklichkeit hineinzuwachsen. Ich muss erst lernen, begreifen, verstehen, muss erst noch das werden, was ich schon bin: Ein Kind Gottes.

Ein Kind Gottes zu sein bedeutet: Ich bin geliebt. Das wiederum bedeutet: ich bin wertvoll. So wie ich bin. Nicht erst durch das, was ich mir aneigne oder leiste, was ich habe oder kann. Ich bleibe es, auch wenn ich vom Weg abkomme, mich verlaufe, Schaden anrichte.

Ich muss das lernen, weil es andere Stimmen gibt, die das Gegenteil behaupten. Dass Gott zu mir sagt „Du bist mein Kind“, das richtet mich auf und gibt mir Spannkraft. So kann ich ganz anders in den Tag und durch mein Leben gehen.

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