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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

07JUN2021
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Vor kurzem habe ich den Film „Systemsprenger“ angeschaut. Er ist zurzeit in der Mediathek des ZDFs zu finden. Ich kannte dieses Sozialdrama noch nicht, obwohl es 2019 im Kino sehr erfolgreich war. Es geht um Benni, ein neunjähriges Mädchen, das nur auf den ersten Blick ein fröhliches Kind ist. Benni ist schwer traumatisiert und jedes Mal, wenn sie wieder eine Enttäuschung erlebt, reagiert sie mit heftigsten Wutausbrüchen gegen alle, auch gegen sich selbst. Ihre Mutter kommt nicht mehr klar mit ihr und auch in den Heimen und in der Schule kann sie nicht bleiben.

Ich habe beim Anschauen nicht nur eine Träne verdrückt. Auch der gerade erschienene Bericht der Unicef zur Situation der Kinder in Deutschland ist bedrückend. Um es kurz zu sagen: Vielen Kindern geht es nicht gut. Es herrscht eine große Not und ich sehe hier Handlungsbedarf, gerade auch als Christin. Denn Jesus hat die Kinder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Er hat gesagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen.“ Das glich zu seiner Zeit einer Revolution, denn Kinder hatten damals keine Rechte und nur geringes Ansehen. Sie dienten als billige Arbeitskraft und sollten die Eltern später im Alter finanziell absichern. Einmal hat Jesus ein Kind zu sich in die Mitte geholt, es in den Arm genommen und allen erklärt: „Wer ein solches Kind bei sich aufnimmt, der nimmt mich auf.“

Ich verstehe es deshalb als göttlichen Auftrag, mich um Kinder zu kümmern. Nicht jeder kann ein Kind bei sich aufnehmen. Auch ich kann das nicht. Doch ich kann Hilfe anbieten, damit Kinder keinen Schaden erleiden: Ich habe immer gern die Nachbarskinder mit zum Spielplatz mitgenommen, damit die übernächtigten Eltern Schlaf nachholen oder arbeiten konnten. Über Monate hinweg ist nun für viele Familien ihr hilfreiches Netzwerk weggefallen, weil man sich nicht über Haushaltsgrenzen hinweg treffen konnte. Das stelle ich mir schrecklich vor, denn ich hätte es damals ohne mein Netzwerk nicht geschafft. Ich hätte abends nicht zur Arbeit fahren können, wenn nicht meine Nachbarin das Babyphon übernommen hätte. Es ist so wichtig, Menschen zu haben, die schauen, wo Hilfe gebraucht wird. So können alle zusammen dafür sorgen, dass Eltern nicht überfordert sind und Kinder zu ihrem Recht kommen. Dazu ist ein Umfeld nötig, dass genau hinschaut. So wird verhindert, dass Bezugspersonen ihre Macht missbrauchen und Kinderseelen verletzt werden.

Jesus hat die Kinder auf den ersten Platz gestellt. Er hat sie ernst genommen und ihnen zugehört und hat sie sogar Vorbilder genannt. Er hat null Toleranz für Verhalten, das ihnen weh tut.

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