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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

31MAI2021
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„Bei Euch soll es nicht so sein.“ Ein Forderung Jesu an seine Jünger. Die Szene dazu:  Jakobus und Johannes, Jünger Jesu von Anfang an, bitten Jesus um einen besonders guten Platz im Himmel. Sie wollen direkt neben ihm sitzen, rechts und links von ihm – sozusagen in der ersten Reihe. Jesus nutzt diese Bitte der beiden, um mal was Grundsätzliches loszuwerden. Originalton Jesus: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,42-44). Das hat gesessen. Ich stelle mir vor, dass sich nach dieser Antwort Jesu Jakobus und Johannes ganz kleinlaut in eine Ecke verkrümelt haben, mal über sich selbst, ihr Denken und Tun, nachgedacht und für eine Zeitlang die Klappe gehalten haben.

Und das hat nicht nur damals gesessen, das sitzt auch heute noch. Als Anspruch an alle, die sich auf diesen Jesus berufen. Erst recht als Anspruch an die Kirche, die ja von sich behauptet eine Gemeinschaft von Jüngerinnen und Jünger Jesu zu sein.

Es tut mir weh festzustellen, dass auch in der Kirche Macht missbraucht wird. Genau wie bei den Mächtigen dieser Welt, von wegen „bei Euch soll es aber anders sein.“

Was ich mir in dieser Situation von meiner Kirche wünsche: Dass wir erstmal kleinlaut werden und gründlich über uns selbst nachdenken. Dass wir Täter benennen und Opfern zur Seite stehen. Dass wir alles, was Machtmissbrauch fördern kann, kritisch unter die Lupe nehmen. Unsere Strukturen, unsere Ämter, unsere Lehrsätze, unser Gehabe und Getue.  Und dass wir als Kirche – zumindest in Fragen der Sexualmoral – für eine Zeitlang einfach mal die Klappe halten.

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