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SWR2 Lied zum Sonntag

23MAI2021
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Manchmal kann ich nicht beten. Ich bin zu beschäftigt oder zu müde. Oder mir liegt so viel auf der Seele, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Dann tappe ich wie im Dunkeln und finde den Draht „nach oben“ nicht mehr.

„Komm herab, o heilger Geist“. Mir hilft unser Lied zum Sonntag von heute. Es ist ein Pfingstlied aus dem Gotteslob, das in den Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg gerne gesungen wird.

Fast könnte man meinen, das Lied will den Heiligen Geist runterholen, auf die Erde und zu mir, vor allem dann, wenn ich nicht mehr weiß, wie ich beten soll.

                  Komm herab, o heilger Geist,

                  der die finstre Nacht zerreißt,

                  strahle Licht in diese Welt.

 

                  Komm, der alle Armen liebt,

                  komm, der gute Gaben gibt,

                  komm, der jedes Herz erhellt.

 

„Komm, herab! Komm, komm, komm!“ - so fangen die Liedzeilen an. Unser Lied heute bittet und bettelt. Es hat etwas Flehendes mit seiner Melodie in Moll. Die Töne schwingen sich in die Höhe und kommen dann wieder unten an. Das passt gut zur biblischen Geschichte von Pfingsten. Da sitzt der ganze Freundeskreis von Jesus zusammen, und ich stelle mir vor, wie sie wieder einmal beraten, wie es weitergehen soll ohne Jesus. Und dann kommt dieser „Geist Gottes“ von oben zu ihnen. Das tröstet, es tut gut und es verändert sich so viel.

        

                  Höchster Tröster in der Zeit,

                  Gast, der Herz und Sinn erfreut,

                  köstlich Labsal in der Not.

                 

                  In der Unrast schenkst du Ruh,

                  hauchst in Hitze Kühlung zu,

                  spendest Trost in Leid und Tod.

800 Jahre ist der Text unseres Liedes alt. Und trotzdem sagt er mir noch etwas: bei der „Unrast“ denke ich an mein Hamsterrad, wie es sich dreht. Da ist Ruhe, also echte innere Ruhe, schon eine Geistesgabe.

Oder wenn es heißt „hauchst in Hitze Kühlung zu“, da kann ich gleich mitbeten. Wie gut, wenn mir im Streit „von oben“ ein Hauch Beruhigung entgegenweht.

Dieses Lied schwingt sich Strophe für Strophe näher Richtung Himmel, und ich kann mich mitnehmen lassen. Ich kann mitbitten, um was auch das Lied bittet. Zum Beispiel, dass ich mit meiner Schuld irgendwo hinkann oder dass ich wieder kraftvoll werde, auch wenn ich vorher noch ausgelaugt war.

 

Was befleckt ist, wasche rein,

                  Dürrem gieße Leben ein,

                  heile du, wo Krankheit quält.

 

                  Musik läuft weiter

 

Und das Lied hat noch mehr Vorschläge, wie ich beten kann oder um was.

„Wärme mich, wo ich eiskalt bin oder mach mich frei, wenn ich mich gar nicht mehr bewegen will. Und wo ich mich falsch entschieden habe, zeige einen neuen Weg!“ 

Am Ende nimmt dieses Lied eine Wendung. Wenn ich bisher nur für mich selbst gebetet habe, führt mich das Lied zu den anderen. Daran erinnert mich Pfingsten heute: Gottes Geist wirkt nicht nur bei mir. Alle, die heute etwas vom Himmel erwarten, können mit so viel rechnen. Darauf hoffe ich und darum bete ich mit diesem Lied.

 

                  Gib dem Volk, das dir vertraut,

                  das auf deine Hilfe baut,

                  deine Gaben zum Geleit.

        

                  anschl. Orgelimprovisation

 

Quelle: Lydia Schimmer (Gesang), Lukas Grimm (Orgel), private Aufnahme vom 30.4.2021

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33194