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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

27MAI2021
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„Hier, da siehst du es. Es wird immer schlimmer.“ Bernd zeigt auf ein Schild an der Wand. Ich lese: „Zuhause ist, wo dein WLAN ist.“ „Darüber regst du dich auf? Warum denn das? So Sprüche gibt es doch viele.“ „Ja,  das stimmt. So geht das jetzt. So ist das jetzt auch in meiner Firma. Früher hatte ich ein Büro. Ich hatte einen Schreibtisch. Jetzt ist alles flexibel und digital. Ich habe keinen festen Platz mehr. Wir haben ein Laptop und eine Anmeldenummer. Ich setze mich hin, wo Platz ist. Hauptsache WLAN. Das ist doch nicht schön. Mir fehlt mein fester Platz.“ Ich verstehe, was er meint, und ich vermute, dass es mir ähnlich ginge. Ich weiß auch gerne, wo mein Platz ist. Ich fühle mich einfacher sicherer, wenn ich vertraue Abläufe habe. Wenn ich weiß, wo ich hingehe. Und mir nicht jeden Morgen einen neuen Platz suchen muss. Mich entlastet das. Aber vielleicht hängt es auch nicht an einem Ort. Ich sage zu ihm: „Ich glaube, dass Zuhause da ist, wo Menschen sind, die dich gern haben. Das ist nicht im Büro, das ist nicht in der eigenen Wohnung. Ich glaube, Zuhause ist gar kein Ort, sondern es sind Beziehungen.“

„Ist das wieder so eine Erkenntnis aus der Bibel?“, fragt Bernd skeptisch. Natürlich hat er Recht. In einem Psalm wird eine Bitte an Gott gerichtet: „Sei mir ein sicheres Zuhause, wo ich jederzeit hinkommen kann!“ (Ps 71,3) Das habe ich im Hinterkopf. Bei Gott finden wir unser Zuhause. Ich sage: „Wichtig sind die Beziehungen, die du hast. Deine Frau, deine Kinder, deine Freunde und auch Gott – Zuhause ist kein Ort. Es sind die Menschen, die du liebst. In dieser Liebe bist du daheim.“ „Dann passt das ja mit dem Spruch“, sagt Bernd. „Wie meinst du das jetzt?“, frage ich. „Das WLAN verbindet dich mit deinen Freunden und deiner Familie. Also ist da Zuhause, wo du WLAN hast. Weil du so in Kontakt bleiben kannst.“ Bernd freut sich: „Da siehst du mal wie jung ich immer noch bin und gleichzeitig digital unterwegs und unheimlich flexibel. “   

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