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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08MAI2021
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Der 8. Mai. Seit dem Jahr 1945 ist das ein ganz besonderes Datum. Es ist der Tag, an dem die deutsche Wehrmacht kapituliert hat, für Europa endete damit der Zweite Weltkrieg. Aber der 8. Mai ist auch noch ein anderer Gedenktag: der Welttag des Roten Kreuzes. Es klingt fast zynisch, aber die Geschichte des Roten Kreuzes begann mit einer mörderischen Schlacht. Das österreichische Kaiserreich lag im Krieg mit dem Königreich Sardinien. Und eine Schlacht in diesem Krieg fand südlich des Gardasees statt. Diese ‚Schlacht von Solferino’ war eine der blutigsten, die in Europa bis dahin geführt worden waren.

Der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant war gerade in der Gegend unterwegs und wurde Zeuge des unvorstellbar grausamen Gemetzels auf dem Schlachtfeld. Er war zutiefst erschüttert und hat seine schockierenden Erlebnisse in einem Buch veröffentlicht, das in ganz Europa verbreitet wurde. Daraufhin kam es zur Gründung des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds.

Erst Krieg führen und dann die Opfer verarzten. Muss das sein? Könnte man für die ‚Opfer’ der Kriege nicht am besten dadurch sorgen, dass man sie erst gar nicht zu Kriegsopfern macht? Dass man keine Kriege führt, sondern alles Menschenmögliche daran setzt, sie rechtzeitig zu verhindern?

Diese Frage mag naiv klingen. Aber genau das ist eine Aufgabe der Politik, und eine der ganz wichtigen. Und unsere Aufgabe als WählerInnen ist es, Parteien zu wählen, die sich ernsthaft und mit allen Mitteln um den Ausgleich von Interessen sorgen. Um mehr Gerechtigkeit, zwischen Menschen, Ländern, Kontinenten. Lange bevor Kriege ausbrechen könnten. Klar, wir müssen auch bereit sein, uns zu verteidigen. Aber erst, wenn alle zivilen Mittel ausgeschöpft sind.

Denken wir heute an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, der vor 76 Jahren beendet wurde. An unsere Väter, Großväter, Verwandten, die zu Tode gekommen sind oder fürs Leben gezeichnet waren. An die, die damals ihre ‚Feinde‘ waren. Und ebenso an die unzähligen Menschen, die heute irgendwo auf der Welt kämpfen müssen oder mit dem Krieg leben oder vor dem Krieg fliehen. Und denken wir auch an unsere Verantwortung für den Frieden. In unserem Land. In Europa. Weltweit.

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