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SWR4 Abendgedanken

04MAI2021
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„Und jetzt gut die Spannung halten. Spürt das Ziehen im Rücken,“ so schallt es aus meinem Computerlautsprechern. Dank Corona findet die Rückenschule jetzt digital statt. Vor mir gibt sich meine Trainerin größte Mühe uns bei den Übungen anzuleiten. Sie fordert viel und es ist echt schweißtreibend…

Seit ich acht bin leide ich an chronischen Wirbelsäulenproblemen. Ich weiß deshalb, dieses harte Training stärkt meinen Rücken: denn je besser und regelmäßiger ich trainiere, desto mehr Halt bekommt mein Rücken. Die Muskeln tragen mit, stützen, geben Halt und reduzieren die Schmerzen. Im anatomischen Sinn wird also das Rückgrat gestärkt. Doch das Wort „Rückgrat“ kann auch im übertragenen Sinne verwendet werden. Es meint dann Menschen, die offen zu ihrer Auffassung und Überzeugung stehen. Menschen mit Rückgrat haben Charakterstärke und sind mutig. Sie treten taff und sicher auf und stehen zu ihrer Meinung. Solche Menschen beeindrucken mich.

Die Bibel erzählt von vielen Frauen und Männern, die Rückgrat haben. Was diese Menschen verbindet: Nichts schüchtert sie ein, denn sie vertrauen ihr Leben Gott an. Und immer wieder beten sie deshalb zu ihm. Der Glaube an Gott stärkt sie.

Das ist wie bei der Rückenschule: Meine Muskulatur muss auch immer wieder trainiert werden – sonst erschlafft sie und die Wirbelsäule verliert Halt. Genau wie im Glauben und bei Gott: meine Beziehung zu Gott muss ich pflegen. Das Gute daran ist: Für dieses Training brauche ich keine besondere Ausrüstung. Ich brauche keine Yoga-Matte, Gewichte oder Therabänder – es reicht mich Gott zu öffnen und ihm zuzuwenden, so wie ich bin. Ich kann einfach mit ihm reden und damit betend zu ihm kommen. Oder ich tausche mich mit anderen Christen aus. Höre mir ihre Erfahrungen und Zweifel an und kann meine mit jemand anderem teilen. So lebe ich meinen Glauben und stärke ihn zugleich. Durch dieses geistliche Training bekomme ich Halt und Stütze.

Genau wie bei den Frauen und Männern in der Bibel: durch ihren Glauben schaffen sie Unglaubliches. Für mich sind diese Menschen damit tolle Vorbilder. Ihr Glaube beeindruckt und ermutigt mich, mein Leben Gott anzuvertrauen. Er stärkt mich und macht mich zu einer Frau mit Rückgrat.

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