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SWR3 Gedanken

03MAI2021
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„Gibt’s im Himmel bei der Oma auch Corona“? Das hat mich ein siebenjähriges Mädchen gefragt. Ihre Oma war gestorben und sie konnte sie vorher wegen Corona nicht mehr besuchen. Nun war ihre Sorge, dass es der Oma im Himmel gar nicht gut geht und dass sie da auch Abstand halten muss. Zum Opa zum Beispiel. Und den anderen, die sie da wieder trifft.

Wenn ich eine Beerdigung halte, dann merke ich, wie schwierig derzeit das mit dem Abschied nehmen ist.  Familienmitglieder dürfen sich am Grab nicht umarmen. Manche können auch gar nicht kommen, weil sie zum Beispiel im Ausland leben und nicht einreisen dürfen. Nach der Beerdigung dürfen sie nicht zusammensitzen und nochmal über das Leben des geliebten Menschen sprechen. Zum Verlust kommt noch der Schmerz dazu, dass so vieles fehlt.

In der Bibel gibt es so etwas wie eine Anleitung zum Trauern. Sie ist über 2000 Jahre alt und lautet: „Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist. […] Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein. Halte die Trauerklage […]; dann tröste dich, damit du nicht allezeit traurig bleibst. Denn …die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kraft.“

Vielleicht müssen wir das wieder neu lernen. Sich in der Trauer nicht zusammenreißen, sondern zu klagen und zwar richtig. Vielleicht auch den Kummer und Schmerz in die Welt hinausschreien. Und dann ganz bewusst wegkommen vom Trauern. Weil Trauern auf Dauer schwach macht.

Ich glaube da ist was dran. Dass man richtig weinen muss, um wieder das Schöne sehen zu können, das man gemeinsam erlebt. Mir hilft das. Und mir hilft es, daran zu glauben: der geliebte Mensch ist jetzt bei Gott geborgen. Und da gibt es definitiv keine Pandemie und keine AHA-Regel mehr.

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