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SWR3 Gedanken

02MAI2021
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Dasein für jemanden. Das ist total wichtig. Besonders dann, wenn es gerade nicht so läuft im Leben. Ich hab das so mit einer Freundin erlebt. Vor zwei Jahren haben wir uns kennen gelernt. Es war ein lustiger, unbeschwerter Abend. Und kurze Zeit später hat sie die Diagnose Brustkrebs bekommen. Für sie war da erstmal nichts mehr wie davor. Für mich war klar, ich will für sie da sein. Wenn möglich helfen. Mit dem Helfen ist das aber nicht so leicht. Mir hat ein Rat geholfen, den ich in der Bibel gefunden hab. Der Apostel Paulus hat mal gesagt: „Weint mit den Weinenden und freut euch mit den Fröhlichen“. Für mich heißt das: ich höre erstmal zu. Versuche nicht, vorschnell irgendwie zu „trösten“.  Sowas wie. „Das wird schon“, „Sei stark“ oder „Andere haben das auch schon geschafft“, das hilft halt nicht, wenn man grad selbst drin steckt. Spüren, dass jemand einfach nur da ist und dableibt, schon eher. Das aber ist nicht so einfach wie es scheint, wenn man helfen und trösten will.

Aber genau das war es, was ihr wichtig war- und mir. Oft haben wir aber auch über andere Dinge geredet. Nicht über die Krankheit und die Sorgen. Wir haben auch miteinander gelacht und über anderes gesprochen. Das tat gut. Uns beiden. Im Krankenhaus haben wir mal einen ganzen Abend lang über Gott und die Welt geredet. Pizza gegessen und darüber total die Zeit vergessen. „Weint mit den Weinenden und freut euch mit den Fröhlichen“. Für meine Freundin und mich war das eine Erfahrung, die uns beiden gut getan hat. Und bis heute lachen und weinen wir miteinander. Da hatte Paulus echt einen guten Rat.

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