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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

26APR2021
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„Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ So lauten Martin Luthers legendäre Worte vor fünfhundert Jahren in Worms. Es sei einmal dahingestellt, ob er das wirklich genauso gesagt hat. Fest steht aber: Kompromissbereit geht anders. Der Mann scheut keinen Streit, ganz klar. Weiß Martin Luther, was er da dem Kaiser und den Fürsten ins Angesicht sagt? Er riskiert nicht nur seine kirchliche Karriere, sondern auch sein Leben. Aus der Kirche ist er vom Papst schon ausgeschlossen worden, jetzt will ihn auch noch der Kaiser für vogelfrei erklären. Ein bisschen Mäßigung und Vorsicht könnte da sicher helfen: Widerrufe und du kannst zurück in dein Leben. Doch der Professor Luther will nicht. Und trotzdem ist er kein Krawallmacher und unversöhnlicher Rechthaber. Es geht ihm um eine Kirche, die den Menschen von der Liebe Gottes erzählt. Darüber will er mit Worten streiten, er will diskutieren und Argumente austauschen. Seine wichtigste Aussage auf dem Reichstag in Worms ist:

„Wenn ich nicht durch klare Vernunftgründe und Zeugnisse der Schrift überwunden werde, kann und will ich nichts widerrufen, weil es nicht sicher und nicht heilsam ist, etwas gegen das Gewissen zu tun.“

Luther ist, wie er selbst sagt, gefangen. Er kann nicht schweigen, kann einfach nicht anders, auch nicht, nachdem er sich noch einmal vom Kaiser Bedenkzeit erbeten hat. Seine Entscheidung hat drei Säulen, die bis heute richtungsweisend sind: Die erste Säule ist die Vernunft: Welche Fakten und Argumente gibt es und wie sind sie zu gewichten? Die zweite Säule ist der Glaube: Was sagt der liebende, barmherzige Gott dazu? Die dritte Säule ist das Gewissen: Was folgt aus meinen Überlegungen: Was muss ich tun, damit ich ein gutes Gewissen haben kann?

So kommt es zum Showdown zwischen Kaiser und Mönch. Nachdem Luther alles bedacht hat, ruft er erst einmal den Kaiser zur Gottesfurcht auf. Verkehrte Welt! Und dann sagt er deutlich: ich widerrufe nicht. Nein. Wenige Worte. Und doch so wichtig für die Freiheit und die Vielfalt. Und das Recht auf Diskussion.

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