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SWR3 Gedanken

23APR2021
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Wie ein verwundetes Tier hat sich Thorsten in den Wald verzogen. Seine Frau hat ihn mit seinem besten Freund betrogen und die Ehe ging auseinander. Zufälligerweise wurde in seiner Firma jemand gesucht. Also zog er in ein kleines Dorf, ganz tief im Schwarzwald. Immer wenn er nicht arbeitete, ging er in den Wald. Irgendwie hat ihm die Kraft der Bäume, die Stille des Waldes geholfen. Monate später hat er gemerkt, dass er an seinen Verletzungen gewachsen ist, irgendwie stärker geworden ist.

Kerstin hatte einen Chef, der keine Grenzen respektierte, Kolleginnen und Kollegen, die wegguckten und nichts sagten. Irgendwann hatte sie einen Burnout. Als sie krankgeschrieben war, hat niemand auch nur angerufen und gefragt, wie es ihr geht. Vier Wochen war sie in einer Klinik, hat sich ihr Leben angeguckt und überlegt, wie es weitergehen soll. Heute denkt sie: „Gott sei Dank für diese Krise in meinem Leben!“ Heute ist sie zufrieden: zufrieden mit ihrem neuen Job, zufrieden mit ihrem neuen Freund an ihrer Seite.

Was in Krisen hilft? Sich zurückziehen, überlegen, was passiert ist. Sich selbst und die eigenen Gefühle akzeptieren. Annehmen, dass das Leben nicht nur aus eitel Sonnenschein besteht, sondern auch Krisen, Verzweiflung und Frust in petto hat.

Selbstmitleid ist eine Zeit lang gut und wichtig; die eigenen Wunden lecken, sich als Opfer ungerechter Ereignisse sehen, das ist ok. Aber dann gilt es, aufzustehen und das Leben wieder in die Hand zu nehmen, Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen. Damit es weitergehen kann. Und zwar besser als vorher.

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