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SWR3 Gedanken

07APR2021
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„Es war mir ein in jeder Hinsicht reiches Leben geschenkt. Ich bin nicht lebensmüde, doch lebenssatt.“ Das hat Hans Küng am Ende seiner Memoiren geschrieben. Und gestern ist er im Alter von 93 Jahren gestorben, friedlich eingeschlafen, wie es heißt. Wer wünscht sich das nicht, so gehen zu dürfen. Und Hans Küng, dem großen Theologen gönne das von Herzen. Aber so sehr ich es ihm gönne, so sehr schmerzt es mich auch, ihn nicht mehr unter uns zu wissen. Diesen großen Vordenker und Nachdenker des Glaubens, den unbeugsamen Kirchenkritiker, den Pionier im Dialog der Religionen. Zum ersten Mal habe ich ihn an der Uni Tübingen erlebt, als Theologiestudent im ersten Semester. Ich sollte eigentlich in einen Grundkurs in Dogmatik. Aber der war mir zu langweilig. Ich bin lieber zur Vorlesung von Professor Küng. Weil er wissenschaftlich auf höchstem Niveau und oft in freier Rede die Studierenden in Bann gezogen hat. Und er ist der einzige Mensch für den ich zu einer Demo auf die Straße gegangen bin. Im Dezember 1979 als ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Aber welch seltsame Fügung: dadurch, dass die Katholische Kirche ihm untersagt hat ihren Nachwuchs auszubilden, hat sie ihm – sicher nicht absichtlich – den Weg zum weltbekannten Theologen geebnet. Der weit über die katholische Kirche hinaus Gehör fand. Wie zum Beispiel beim Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der an Hans Küngs 90. Geburtstag zu ihm gesagt hat: „Als ich weit weg war von Glauben und Kirche, haben mich Ihre Werke wieder zurückgeführt.“ Und nun ist Hans Küng, der große Professor, Publizist und Priester weg aus dieser Welt. Aber „Wer schreibt, der bleibt“ hat er auch mal gesagt. Und das ist ein schöner Trost: sein theologisches Werk bleibt. Wie auch der Dank für ein so reiches und viele Menschen bereicherndes Leben…

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