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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

08APR2021
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Brüder im Nebel! Der vor vier Jahren verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meißner, so kam nun heraus, hat eine geheime Akte so benannt. Darin Dokumente über Geistliche, die zu Sexualstraftätern geworden sind. Also zu jenen „Brüdern im Nebel“, wie Meißner das nannte. Den Inhalt dieser Akte kenne ich wie die meisten nicht. Aber der verniedlichende, prosaische Titel hat mich nicht nur schockiert, er macht mich noch immer stinksauer.

Sexuelle Missbrauchstaten sind kein Naturphänomen. Sie sind absolut nichts, was wie eine Nebelwand über mich kommt, die mich mit einem Mal hilf- und orientierungslos macht, auch wenn einige Täter das gerne so darstellen. Sexuelle Gewalt ist eine Straftat und gesellschaftlich geächtet, ganz besonders, wenn sie Kinder trifft, die ihr Leben lang darunter leiden. Und geächtet war sie auch schon vor Jahrzehnten. Nicht umsonst passieren diese Taten im Verborgenen. Die Täter machen sich oft erhebliche Mühe, die Taten zu verharmlosen und zu verbergen. Wer das tut, der weiß in der Regel also tief drinnen, dass es grundfalsch und geächtet ist, was er da tut.

Der Nebel, der diese vermeintlichen Brüder umwabert, ist darum kein Naturereignis. Er wurde erst erzeugt von Kirchenleuten wie Kardinal Meißner, der damit auch die Botschaft Jesu verdüstert. Eine Botschaft die sich nämlich ganz klar an die Seite der Kleinen und Schwachen gestellt hat. Eine Botschaft, die unmissverständlich Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit einfordert.

Mich macht das aber nicht nur stinksauer, es tut auch weh. Weil dieser Nebel das krasse Gegenteil von dem ist, was unzähligen Christinnen und Christen heilig ist, woran sie glauben, an dem sie ihr Leben orientieren und wofür sie sich einsetzen. Mich eingeschlossen. Dieser Nebel gehört gelichtet, damit die Botschaft Jesu aus dem Zwielicht kommt und wieder leuchten kann. Und damit Menschen solches Leid nie mehr erfahren müssen.

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