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SWR4 Abendgedanken

08APR2021
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Dieses Jahr 2021 ist ein „Super-Wahljahr“. In fünf Bundesländern wurden und werden die Landtage neu gewählt, dazu in Berlin das Abgeordnetenhaus und im September der neue Bundestag. Wir haben die Wahl. Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie leben und frei wählen darf, weil ich weiß, dass Millionen Menschen dieses Recht nicht haben. Ich darf wählen – aber ich muss auch wählen. Nicht nur im Bereich der Politik. Jeden Tag werde ich vor die Wahl gestellt und muss mich entscheiden: Das fängt schon morgens an. Was ziehe ich an? Dunkle Hose, weißes Hemd oder blaue Jeans und Poloshirt? Was frühstücke ich? Brötchen, Müsli, Joghurt? Das ganze Leben lang muss ich wählen: Welchen Telefontarif hätte ich gerne? Welchen Beruf ergreife ich? Wen heirate ich? Heirate ich überhaupt? Will ich Kinder? Wie viele? Immer muss ich mich entscheiden.

Auch für den Glauben muss ich mich entscheiden. Früher war das anders. Da wurde gar nicht gefragt, was einer glaubt. Und jeder gehörte automatisch zu einer Kirche. Waren die Eltern katholisch, dann war auch die Tochter katholisch. Waren die Eltern evangelisch, dann auch der Sohn. Das blieb dann ein Leben lang so. Es war undenkbar aus der Kirche auszutreten. Heute ist das anders und ich bin froh, dass niemand Angst haben muss vor Strafen oder Benachteiligung, wenn er aus der Kirche austritt oder den Glauben wechselt.

Aber diese Wahlfreiheit macht die Sache mit dem Glauben nicht einfacher. Ob ich überhaupt glaube und wenn ja: was oder an wen, das muss ich selbst entscheiden. Und es gibt so viele Möglichkeiten. Ich habe mich entschieden. Schon als junger Mensch habe ich mich für den christlichen Glauben entschieden. Ich habe die Wahl getroffen, dass ich Gott, so wie die Bibel mir von ihm erzählt, vertrauen möchte. Ich habe es nie bereut. Natürlich habe ich auch manchmal meine Zweifel und es gibt Zeiten, da verstehe ich Gott nicht. Aber ich erlebe immer wieder: Gott meint es gut mit mir. Ich kann meine Sorgen im Gebet bei ihm ablegen und ich spüre, dass Gott mir Kraft und Hoffnung gibt. Darum bereue ich meine Wahl nicht.

Wir dürfen wählen, es geht gar nicht anders. Ich wünsche uns allen, Ihnen und mir, gute Entscheidungen. Denn wie wir uns entscheiden, das bestimmt, wie wir leben.

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