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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08APR2021
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So viele Menschen sind zur Zeit einsam – und es sind gar nicht nur die Älteren. Auch junge Menschen kennen das Gefühl einsam zu sein. Schüler, Studentinnen und Auszubildende und auch Leute in meinem Alter, so Mitte dreißig.

Dass das nicht nur was mit Corona zu hat, hat Diana Kinnert festgestellt. Sie ist eine junge Politikerin und Publizistin und hat gerade ein Buch mit dem Titel „die neue Einsamkeit“ geschrieben. Sie sagt: „Keine Generation ist je so vernetzt gewesen wie unsere. Aber das, was wirklich Verbindlichkeit ausmacht, das fehlt mir oft."

Ich ahne, was sie damit meint. Auch ich bin gut vernetzt. Habe jede Menge Kontakte in den sozialen Netzwerken und kann mich trotzdem einsam fühlen. Wie häufig habe ich mein Handy in der Hand und sehe die vielen Posts von gemütlichen Abenden, schön drapiertem Essen und tollen Ausflügen. Das ist einerseits schön, weil ich mitbekomme, was bei den anderen gerade los ist – egal wie weit ich von ihnen entfernt bin. Aber wenn ich bloß Zuschauerin bin, die das perfekte Leben der anderen betrachtet, dann kann es passieren, dass ich mein eigenes Leben nur noch langweilig und blass finde. Und das fühlt sich nicht mehr gut an und ist wie Futter für die Einsamkeit.

Diese Art der Vernetzung ist für mich wie eine Einbahnstraße, weil es ja nur in die eine Richtung geht: Schau mal, was ich gerade Tolles mache. Aber auf diese Einbahnstraße habe ich auf Dauer keine Lust. Weil sie mit echter Verbindung zu anderen nichts zu tun hat.

Um mich mit anderen verbunden zu fühlen, brauche ich Menschen, bei denen ich merke: die haben nicht nur Interesse an sich und ihrem Leben, sondern auch an mir. Sie fragen nach, was in meinem Leben gerade los ist, wollen nicht nur die schönsten Schnappschüsse sehen. Umgekehrt bin dann auch ich dran, anderen zu zeigen, dass sie mir wichtig sind. Dass ich aufmerksam bin, wenn ich längere Zeit nichts mehr von ihnen gehört habe und nachfrage, ob alles in Ordnung ist.

In meinem Fastenkalender habe ich dazu einen wunderbaren Satz entdeckt. Dort steht: „Die Welt (…) besteht aus Ketten von Menschen, die aufeinander aufpassen.“ Ich finde, das könnte das Ziel sein: Menschen, die einen sorgenden und liebevollen Blick füreinander haben. Die aufeinander aufpassen. So dass ein Netz entsteht, das verhindert, dass Einzelne dauerhaft einsam sind.

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