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SWR3 Gedanken

13MRZ2021
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Also ehrlich… Ich kann echt nicht klagen! Und genau das…. ist manchmal auch mein Problem. Denn wenn ich nicht klagen kann, dann vielleicht deshalb, weil ich schon gar nicht mehr weiß, wann es mir schlecht geht und wie sich das anfühlt.

Ich finde, Klagen ist nicht das gleiche wie meckern. Meckern ist vor allem dagegensein: Impfstoffe fehlen, also meckern, aber im gleichen Atemzug klarmachen, dass Impfen doch sowieso doof ist. Da ist jemand eben nur dagegen.

Nein, meckern will ich nicht, aber klagen will ich können. Ich will spüren können, wenn es mir schlecht geht und ich traurig bin und erschöpft oder genervt. Und ich denke: Das lernt man gar nicht, dieses Klagen. Im Gegenteil, wir bekommen beigebracht: Wer klagt, geht anderen auf die Nerven und auf Insta macht das eine schlechte Figur. Und deshalb schlucken wir unsere ehrliche Antwort lieber runter, wenn wir gefragt werden, wie es uns geht. „Ja… Muss halt!“

Die Zeit zwischen Fasching und Ostern heißt ja auch Passionszeit, also Leidenszeit. Der Namen bezieht sich auf die Zeit, in der Jesus gelitten hat. Ich finde, es ist auch die Zeit, in der ich mich mal wieder genauer mit meinen eigenen Leiden beschäftigen könnte um zu lernen, wie man denn ordentlich klagen kann. 

Klar, nicht jeder möchte meine Klagen hören und nicht jedem möchte ich meine Klagen anvertrauen. Aber Gott soll für Klagen immer ein offenes Ohr haben. Eine Jugendliche hat mir erzählt, dass sie oft Gott einen Brief schreibt. Sie schreibt dann in Großbuchstaben und mit Zorn im Stift, was sie nervt oder verletzt hat. Sie knüllt den Brief dann voller Wut zusammen und wirft ihn an die Wand.

Gut geklagt, habe ich gedacht! Wirklich gut geklagt!

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