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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24FEB2021
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Ich bin zu einer Corona-Patientin im Krankenhaus gerufen worden. Vor dem Zimmer steht ein Wagen, da liegt die komplette Montur drauf, mit der man sich vor einer Ansteckung schützen kann. Plastikkittel, Handschuhe in verschiedenen Größen, frische FFP 2-Masken, die Hauben für die Haare und das Schild, das man noch über die Brille zieht. Desinfektionstücher, um hinterher die eigene Brille zu säubern.

Ein paar Zimmer weiter ist grade eine Reinigungskraft dabei, sich umzuziehen. Sie hat mehr Routine darin als ich und gibt mir Tipps.

Als ich fertig ausstaffiert bin, gehe ich zur Patientin und unterhalte mich mit ihr. Die Patientin ist froh, jemanden zum Reden zu haben. Und ich bin später froh, als ich diese ganzen Sicherheitsklamotten wieder ausziehen kann. Die Kollegin vom Reinigungsdienst allerdings, das wird mir jetzt klar, hat die ganze Corona-Station zu putzen. Vor jedem Zimmer muss sie sich die komplette Schutzkleidung anziehen, dann ein Zimmer putzen und sich dann wieder ausziehen. Vor dem nächsten Zimmer das gleiche Spiel. Es ist auch wirklich heiß in so einem Plastikkittel, besonders, wenn man körperlich arbeiten muss.

Ich werde öfter mal gefragt, wie es mir geht, wenn ich Corona-Patienten besuche, ob ich Angst vor Ansteckung habe und wie es sich durch die Maske atmet.

Ob die Reinigungskräfte das auch gefragt werden?

Der Pflege wurde immerhin applaudiert für ihren wichtigen, (wie man heute sagt) systemrelevanten  Dienst. Ärzte genießen in der Regel  großen Respekt. Das ist auch richtig so. Aber die anderen Dienste: vor allem der Reinigungsdienst, die werden nicht so wahrgenommen. Dabei: was wäre ein Krankenhaus ohne Hygiene? Völlig aufgeschmissen.

Wie so oft im Leben gilt: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht, und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ (so formulierte es Bertolt Brecht)*

Das ist einfach ungerecht. Alle sind wichtig, damit das Krankenhaus funktioniert.

Ich bin der Kollegin dankbar, dass sie hier für die Hygiene sorgt.  Und ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeitsleistung – trotz Kittel, Haube, Handschuhen und FFP 2-Maske in jedem Zimmer freundlich nach dem Rechten zu sehen.

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