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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

25FEB2021
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Lockdown und Regentag. Gute Voraussetzungen für schlechte Laune. Es ist Anfang Februar, ich sitze am Schreibtisch und bereite eine Veranstaltung vor, von der ich nicht weiß, ob sie stattfinden wird. Nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten. Zu dem trüben Wetter kommen trübe Gedanken. Wie lange noch soll das ganze dauern, wann endlich können wir uns wieder frei bewegen, uns ungehindert treffen, singen, tanzen und feiern. Und dann, ganz plötzlich reißt der Himmel auf. Die Sonne kommt zwischen den Wolken hervor und – wie schön – ein Regenbogen zeigt sich. Prompt denke ich als Theologe natürlich an die alte Geschichte von der Sintflut, Noah, Gott und dem Regenbogen.  

Mit der Sintflut, einem großen Hochwasser, will Gott die Menschen wegen ihrer Schlechtigkeit vernichten. Einen aber rettet Gott und das ist Noah. Und mit ihm, er steht jetzt für die ganze Menschheit, schließt Gott nach der Sintflut einen Bund, einen Vertrag. Er verspricht dem Menschen: „Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe. Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (Gen 8,21bf) Und den Regenbogen macht Gott zum Zeichen für diese wunderbare Zusage. Er sagt: „Balle ich Wolken über der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch." (Gen 9,14)

Ich schaue von meinem Schreibtisch durch’s Fenster auf den Regenbogen. Ich frage mich: „Gilt diese Zusage Gottes auch mir, hier und heute mitten in der Pandemie?“ Und ich denke an die vielen Generationen vor mir, die auf diese Zusage Gottes vertraut haben. Und die oft in schwierigeren Situationen standen als ich heute. Der Regenbogen, der Glaube an einen Gott, der mich nicht vergisst, hat ihnen immer wieder Kraft gegeben. Ich stelle mich in die Reihe meiner Vorväter und -Mütter und lass mich von ihrem Glauben tragen.

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