Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

23FEB2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mit vielen Veränderungen der letzten Monate komme ich sehr gut zurecht. Eine Situation gibt es allerdings, die fordert mich jedes Mal neu heraus. Ich treffe auf Menschen, einzelne oder mehrere – und ich weiß nicht, wie ich sie begrüßen soll. Natürlich, ich kann mit dem Kopf nicken. Ich kann mit den Augen signalisieren: Ich nehme dich wahr. Aber schon ein einfacher Handschlag oder gar eine Umarmung, das geht jetzt schon länger nicht mehr.

Gut, es gibt Alternativen. Der Ellbogencheck – er ist mir meistens doch etwas zu burschikos. Die leichte Verbeugung mit zusammengelegten, nach oben gerichteten Handflächen – das ist für mich eine eher ungewohnte, manchmal auch unbeholfene Geste.

Mir fehlt dieses vertraute Ritual. Eine Begrüßung vermittelt auch klare und wichtigen Botschaften. „Ich nutze meine Hand nicht als Waffe, sondern als Brücke zu deinem Herzen. Ich habe keine Angst vor dir. Ich habe vor, mit dir etwas gemeinsam zu unternehmen.“ Beim Grüßen gehe ich mit einem anderen Menschen eine Verbindung ein. Wenn wir uns die Hand geben. Wenn wir uns umarmen. Da spüren wir einander.

Jede Gemeinschaft entwickelt ihre eigenen Rituale, um zum Ausdruck zu bringen: Wir gehören zusammen. Die Art, wie Menschen einander begrüßen, gehört dazu. Die Christinnen und Christen aus der Anfangszeit der Kirche brachten mit einem sehr innigen Zeichen zum Ausdruck, dass sie zusammengehören. Das wissen wir aus einem Brief des Apostels Paulus. „Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!“ schreibt der in einem seiner Briefe nach Korinth. An so etwas wie den heiligen Kuss oder an Wangenküsschen links und rechts ist derzeit überhaupt nicht zu denken. Sich zu begrüßen – das geht im Moment nur mit Abstand. Aber uns bleibt die Kraft der Worte. Auch Worte stiften Nähe. So wie beim „Sei gegrüßt, Maria!!“, mit dem der Engel Gabriel der Maria begegnet. Oder das „Friede sei mit euch!“, mit dem der Auferstandene im Kreise seiner Jünger erscheint.

Meine Worte sind dabei nicht auf das sehr formelle „Guten Tag“ oder das saloppe „Hallo“ begrenzt. Warum nicht auch: „Schön, dass du da bist!“ oder: „Ich freu mich, Dich zu sehen!“ Vielleicht auch wieder einmal ein „Grüß Gott!“ zu Beginn einer Begegnung. Und am Ende der Abschiedsgruß: „Behüt‘ dich Gott!“ Damit kann ich in diesen Zeiten kaum daneben liegen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32644