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SWR2 Lied zum Sonntag

21FEB2021
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Rudolf Alexander Schröder, der Dichter des Liedes „Es mag sein, dass alles fällt.“ Heute ist er fast vergessen. Dabei war er einmal als Dichter einer neuen deutschen Nationalhymne im Gespräch. Das war im Jahr 1950, vorgeschlagen vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. Aus dieser Idee ist nichts geworden. Aber es zeigt, welche hohe Reputation der Dichter in den Nachkriegsjahren genoss.

Schon früh gehörte Rudolf Alexander Schröder zu denen, die das Unheil des Nationalsozialismus erkannten. Bereits 1936, als Deutschland noch im Rausch der Olympiade in Berlin schwelgte, dichtete er: „Es mag sein, dass alles fällt, dass die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen.“Das war mutig. Und drei Jahre vor Kriegsbeginn ein geradezu prophetischer Ausblick! Das Lied ist geblieben. Und findet sich heute im evangelischen Kirchengesangbuch.

Es mag sein, dass alles fällt,
dass die Burgen dieser Welt
um Dich her in Trümmer brechen.

Halte Du den Glauben fest,
dass Dich Gott nicht fallen lässt:
ER hält sein Versprechen.

Als Rudolf Alexander Schröder diese Zeilen geschrieben hat, war er 58 Jahre alt. Aufgewachsen in Bremen als fünftes von neun Kindern. In einer pietistisch geprägten Kaufmannsfamilie. Beruflich erfolgreich in vielerlei Hinsicht: als Architekt, Dichter und Maler.
Aber er kannte auch die Erfahrung, wie zerbrechlich alles ist. Wie schnell eine Demokratie in Trümmer fallen kann. Die Machtübernahme der Nazis hatte für ihn einen massiven Einschnitt in sein bisheriges Leben bedeutet. Jedes Auftreten in der Öffentlichkeit war ihm untersagt worden.

Da tröstete ihn – wie es in einer Liedzeile heißt - dass „Trug und List nur eine Weile Meister ist“. Und der falsche Schein keinen Bestand hat:

Es mag sein, dass Trug und List
eine Weile Meister ist;
wie Gott will, sind Gottes Gaben.

Rechte nicht um Mein und Dein;
manches Glück ist auf den Schein,
lass es Weile haben.

Für seine Ablehnung der nationalsozialistischen Diktatur hatte Rudolf Alexander Schröder viele persönliche Nachteile in Kauf genommen. Inständig hoffte er, dass der Sieg des Bösen nicht von Dauer sein würde. Und dichtete an gegen seine eigenen Sorgen und Ängste: „Es mag sein, dass Frevel siegt, wo der Fromme niederliegt; doch nach jedem Unterliegen wirst Du den Gerechten sehn, lebend aus dem Feuer gehn, neue Kräfte kriegen.“

Für mich hat das Lied etwas Ermutigendes. „Es mag sein,“ das heißt ja: die Geschichte ist offen. Sie kann so oder so ausgehen.
Und Gottvertrauen bedeutet eben nicht, den politischen Entwicklungen ihren Lauf zu lassen. Sondern wo es geboten ist, für die Wahrheit zu streiten. Nicht fanatisch, aber im Wissen darauf, dass „meine Zeit und alle Zeit“ in Gottes Händen stehn.

Es mag sein, so soll es sein:
fass ein Herz und gib Dich drein;
Angst und Sorge wird´s nicht wenden.
Streite, Du gewinnst den Streit!
Deine Zeit und alle Zeit
stehn in Gottes Händen.

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„Es mag sein, dass alles fällt“, EG 378, Gesang: Stephanie Petitlaurent, Orgel: Gösta Funck, copyright: Evangelische Gemeinde Berlin-Spandau

www.youtube.com/watch?v=WEzrT8aD0dY

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32628