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SWR2 Wort zum Tag

12JAN2021
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Wie geht es weiter, wenn ein Generationenwechsel ansteht - im Betrieb, in einem Verein, in einer Partei? Ganz ohne Spannungen? Viele haben dabei schon Streit erlebt. Da ist das letzte Wort im Buch des Propheten Maleachi Balsam für die Seele. Es ist das letzte Wort in den Prophetenbüchern und steht in christlichen Bibeln am Ende des so genannten Alten Testaments. Es heißt dort: „Er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen.“ (zit. n.Elberfelder)

Wie sorgen sich Eltern um ihre Unternehmen, ihren Hof, ihre Kanzlei, ihre Praxis, wenn ihre Kinder alles das verlassen, was sie bis dahin von Kindesbeinen an hautnah miterlebt haben - wenn sie nicht Nachfolger oder Nachfolgerin sein wollen.

Wenn sie beruflich in eine andere Richtung streben – womöglich fern der Heimat – und dabei eine Lebensform wählen, die für die Eltern undenkbar gewesen ist. Das ist alles andere als einfach. Für beide Seiten, für die, die bleiben und die, die gehen. Da kann dieses Prophetenwort eine Brücke schlagen, eine Brücke der Hoffnung: „Er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen.“

Für mich ist es ein lebenswichtiges Wort. Ich bin ja selber gewissermaßen aus der Spur geraten. Ich habe sehr anderes für mich entdeckt und unternommen, als meine Eltern es sich für mich haben vorstellen können.

„Er wird das Herz der Väter zu den Söhnen - und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen“, heißt ja nicht, dass die Unterschiede beseitigt werden. Keineswegs. Jede Generation hat eigene Pläne, Wünsche und Ziele – und macht damit eigene Erfahrungen. Differenzen und auch Spannungen sind gewissermaßen unausweichlich. Und doch ist das die große Wunschvorstellung: Alt und Jung versöhnt. Nicht mehr auseinander strebend, sondern von Herzen einander zugewandt. Dass es in der Zukunft einmal dazu kommt: zu einem Anerkennen und Verstehen, zu einem Gespräch, einem Austausch, zu einer neuen Herzensgemeinschaft.

 „Er wird das Herz der Väter zu den Söhnen - und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen“, das ist für mich auch ein Sehnsuchtswort für hier und jetzt. Wo immer ich einen Moment der Versöhnung zwischen Alt und Jung erlebe, bin ich überglücklich.

Wie wichtig wäre das auch und gerade in der großen Politik: Dass sich früher oder später die Herzen der Vorgänger und Nachfolger einander zuwenden. Da kann es dann weiter gehen in eine friedliche Zukunft.

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