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SWR2 Wort zum Tag

11JAN2021
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Corona zwingt uns zum Maske tragen. Mund und Nase sind verhüllt. Eine sinnvolle Schutzmaßnahme ist das. Und zugleich noch viel mehr. Das Maskentragen, an das sich viele schon gewöhnt haben – jedenfalls höre ich das so von Schülerinnen und Schülern – greift tief ein in unser Miteinander. Das menschliche Antlitz zeigen und einander ins Gesicht sehen können – den Gesichtsausdruck wahr nehmen, im Gesicht des Anderen lesen, sehen, wie es ihm geht, – alles das sind  intensive Möglichkeiten menschlicher Begegnung. Masken sind da im Weg und behindern das.

Die Kunst des Portraits – ob in der Malerei oder der Fotografie – zeigt immer wieder, wie sehr jedes Gesicht für ein ganzes Leben, für eine ganze Persönlichkeit stehen kann. Und das soll nun vorerst verhüllt und verdeckt bleiben? Maske tragen bei Kontakten mit Freunden, Patienten, Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen – mich schmerzt das. Wer weiß, wie lange das noch so geht… Und bis dahin?

Ich war sehr berührt, als ich unlängst in einer katholischen Messe dies erlebt habe: Nach dem Vaterunser – also vor der Austeilung der Hostien – ist es üblich, dass die Feiernden einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung geben. Man geht aufeinander zu, reicht einander die Hand und spricht sich dabei das Wort zu: ”Friede sei mit dir!“. In dieser Weise wendet man sich dann auch noch anderen Sitznachbarn zu, mancherorts auch mit einer Umarmung. Es schließt sich der Gesang an, der in die Bitte mündet: "Christus... , gib uns deinen Frieden." Dieser Friedensgruß ist freilich so derzeit - Corona bedingt – nicht möglich. Der Priester ermutigte nun stattdessen die Gemeinde: „Gebt einander einen Blick des Friedens!“

War das schön und intensiv: Wenn Blicke sich begegnen, wenn Menschen einander einen Blick des Friedens zuzuwerfen. Man geht aufeinander zu – verweilt im gebotenen Abstand und hat einen Friedenswunsch für den Anderen in den Augen. Trotz der Gesichtsmaske kann man so einander nah sein.

Ich freue mich freilich umso mehr auf die Zeit, wenn es heißen wird: Maske runter! Und wir alle wieder das schöne Antlitz von Menschen sehen und bestaunen können - ob jung oder alt  - ob groß oder klein - in all seiner Vielfalt.

Und das Ebenbild Gottes in den Gesichtern der Menschen wieder entdecken – im Gesicht der Glücklichen und Traurigen, der Kräftigen und Erschöpften, der Kranken und Gesunden. Bis dahin: Gebt einander einen Blick des Friedens! Nicht nur im Gottesdienst.

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