Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

13JAN2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute vor 330 Jahren starb George Fox. Dies ist sein Gedenktag. Wenn Sie George Fox jetzt nicht kennen, dann macht das nichts, er gehört nicht gerade zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Aber er ist es wert, dass man heute an ihn denkt. George Fox hat im 17.Jahrhundert in England gelebt. Er war ein Schuhmacher, der eines Tages zum Glauben an Gott fand und von diesem Glauben so begeistert war, dass er durch das ganze Land gezogen ist, um davon zu erzählen. Daraus entstand eine kleine religiöse Gemeinschaft: Die Quäker. Georg Fox hat sie mitbegründet. Quäkergemeinden findet man bis heute in vielen Ländern der Welt, auch bei uns in Deutschland.

Die Quäker glauben an Gott, sie lesen die Bibel und sie haben vor allem eine Überzeugung: Sie glauben, dass in jedem Menschen Gottes Licht wohnt. Und das gibt jedem Menschen seine Würde und macht ihn unendlich wertvoll. Gottes Licht hat in Martin Luther King gewohnt und in Mahatma Ghandi und in Mutter Theresa. Und es wohnt in all den Menschen, die ich lieb habe und schätze. In meiner Frau, meinen Kindern und Freunden. - Das fällt mir leicht zu glauben. Aber Gottes Licht wohnt auch in den Menschen, die mir das Leben schwer machen. Die ich nicht verstehe oder die so anders sind als ich. Gottes Licht wohnt in dem Obdachlosen, der in der Bahnhofsunterführung lebt. Es wohnt in der jungen Frau aus Osteuropa, die gezwungen wird, als Prostituierte zu arbeiten. Es wohnt in dem jungen Mann, der am ganzen Körper tätowiert ist, Lederjacken mit Totenkopf trägt und ein lautes Motorrad fährt. Gottes Licht wohnt in der jungen Muslima, die verschleiert durch unsere Straße geht und in dem querdenkenden Lehrer, der für seine angeblich bedrohte Freiheit protestiert. Wenn das stimmt, was George Fox und die Quäker sagen, dann ist Gott mit seinem Licht auch in diesen Menschen, selbst wenn es mir schwer fällt, das zu erkennen.

Ich denke mir: Wir wäre das: Ich begegne gerade den Menschen, die ich nicht verstehe und die mir manchmal Mühe machen, immer mit dem Gedanken: Auch in ihnen wohnt Gottes Licht? Dann würde ich wohl barmherziger, geduldiger und verständnisvoller mit ihnen umgehen. Ich würde sie mehr achten und weniger verurteilen. Ja, ich glaube, da kann ich von den Quäkern etwas lernen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32393