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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

13JAN2021
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In den vergangenen Tagen habe ich öfters vor meinem Kalender gesessen. Habe all die Termine eingetragen, die schon jetzt feststehen für das noch frische Jahr. Es waren einige und alle hatten irgendwas mit meinem Job zu tun. Was hingegen fehlte, das waren all die Termine, auf die ich mich sonst immer besonders freue. Die ich in stressigen Arbeitswochen manchmal schon lange vorher sehnlichst erwarte. Urlaube. Fahrten zu meinen Kindern oder guten Freunden. Das Livekonzert, bei dem ich unbedingt dabei sein will. Noch ist da nur gähnende Leere. Denn ich kann ja nichts vorausplanen. Jedenfalls nichts, auf das ich mich schon jetzt freuen könnte.

Und dann denke ich an das letzte Jahr. Ja, das war verdammt anstrengend, oft schwierig und belastend. Aber nicht alles in meinem Leben war ja schlecht. Ich bin gesund, noch immer und mit mir auch all die Menschen, die mir besonders am Herzen liegen. Ich musste keine privaten Katastrophen, keine bitteren Abschiede und keinen Verlust eines geliebten Menschen überstehen. Selbstverständlich ist das nicht, eher ein Grund, dankbar zu sein. Und dann gab es da auch die ganz vielen kleinen Lichtblicke, die mich trotz allem glücklich gemacht haben. Die Zusammenarbeit mit etlichen Kolleginnen und Mitarbeitern. Das Gefühl, wir packen das gemeinsam! Die beiden Reisen, die dann kurzfristig doch noch möglich wurden. Die Erinnerungen daran tragen mich noch jetzt. Und es begleitet mich auch noch das Lied, mit dem wir im Gottesdienst vor wenigen Tagen das alte Jahr haben ausklingen lassen: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag.Entstanden 1944 in einem Kerker der Nazis, in einer Lage, die um vieles schlimmer war als die jetzige.

Die Leerstellen im Kalender werden fürs Erste bleiben. Aber sie werden sich noch füllen, nach und nach. Da bin ich auch ganz getrost. Und ganz bestimmt werden beglückende Lichtblicke darunter sein.

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