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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17DEZ2020
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In schweren Zeiten brauchen wir Trost. Etwas, das uns aufrichtet, auf andere Gedanken bringt, und das Gefühl gibt: Ich bin nicht allein. Je länger diese Pandemie dauert, desto mehr Trost brauchen wir.

Aber es ist nicht immer einfach, jemanden zu trösten. Es gibt Krisen im Leben, die lange dauern und auch nicht mit Medikamenten, Therapien oder intensiver Seelsorge zu beseitigen sind. Ich habe viele Male erlebt, dass Menschen zu mir gekommen sind, die im wahrsten Sinne un-tröstlich waren.

Ich suche für sie einen Trost und möchte ihn gern weitergeben, aber: Was soll ich sagen: Dass alles nicht so schlimm ist? Bestimmt nicht. Dass der liebe Gott schon alles richten wird. Das hoffe ich zwar auf lange Sicht gesehen. Aber wer es gerade schwer hat, dem nützen solche Beteuerungen kaum etwas. Auch der Trost, der von Gott kommt, an den ich glaube, muss spürbar werden für die, die ihn brauchen. Echter, ehrlicher Trost braucht Zeit und Geduld und Nähe.

Jesaja, der Prophet des Advents spricht an vielen Stellen vom Trost. Er sagt seinen Leuten: Gott wird euch einen Weg durch die Wüste bahnen, aber er erspart euch die Wüste nicht. Auf der Welt ist so manches verbogen: Gott kann Krummes gerade machen. So finden glaubende Menschen auch heute einen Weg aus ihrer Trauer und ihrem Unglück. Sie glauben: Gott ist da. Auch wenn er ihnen gerade fern zu sein scheint. Und wenn ein Mensch für sie da ist, sie tröstet, dann spüren sie Gott vielleicht. Aber das kann seine Zeit brauchen. Und Geduld. Wenn ich will, dass mein Trost ankommt, muss ich es immer wieder versuchen. Ich muss geduldig sein mit dem, der gerade einfach keine Perspektive hat. Und dass es zum Trost schließlich auch Nähe braucht. Ohne menschliche Nähe kann ich nicht trösten.

Der Advent ist eine Zeit des Wartens. Wir warten, weil wir noch nicht fertig sind. Noch nicht befreit von dem, was uns oft niederdrückt. Wir sind noch nicht erlöst und können das selbst auch nicht schaffen. Wir warten. In diesem Advent besonders auf das Ende der Pandemie, die uns das Leben schwer macht. Wir warten. Und ich als Christ glaube, dass da einer ist, auf den ich warte. Die Erfahrung mit ihm macht mir Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben. Und das gerade in schwierigen Zeiten weiter zu sagen.

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