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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15DEZ2020
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Wir brauchen was fürs Herz. Gerade in diesem Advent. Ein bisschen Lametta, Tannenzweige, brennende Kerzen und romantische Musik. Es darf ruhig sogar ein bisschen kitschig sein, wenn’s nach mir geht. Wenn man sich nicht treffen und keine Feiern abhalten soll, dann braucht es wenigstens ein paar Stimmungsaufheller.

Aber das ist nicht alles, was zum Advent gehört. Der Advent ist nicht schon Weihnachten. Der Advent ist auch eine nüchterne Zeit. Es geht im Advent darum, sich vorzubereiten, sich einzustellen. Auf das, was in der Zukunft liegt, was kommen wird. Das bedeutet ja das Wort übersetzt: Adventus heißt Ankunft. Was da kommen wird, liegt aber im Ungewissen. Zumindest einigermaßen, zumindest für unsere Möglichkeiten, es zu verstehen.

Die Christenheit feiert vor Weihnachten, dass da einer kam, mit dem Gott einen Akzent gesetzt hat. Jesus, der Christus. Von ihm sind uns Hinweise überliefert, wie wir uns auf das Kommende einstellen können. Ich nenne ein paar Beispiele, und wähle dabei bewusst die schwierigen aus, solche, die provozierend sind. Eben weil der Advent keine harmlose Sache ist, sondern uns wach rütteln, sogar erschüttern soll. In unseren ach so festgemauerten Grundfesten. Zur Vorbereitung auf das, was kommt, empfiehlt Jesus uns den Nächsten zu lieben wie sich selbst, sogar wenn der Nächste uns unfreundlich, ja feindlich gesinnt ist. Jesus rät uns, nicht nach oben zu schielen, zu den Reichen und Wohlsituierten, sondern unten anzufangen, bei den Armen und denen, die in der Ordnung unserer Gesellschaft nicht angesehen sind. Er sagt, wir sollen nicht auf unserem Recht bestehen, sondern vergeben, immer und immer wieder. Und vor allem anderen sollen wir nach Gott fragen, uns prüfen, was er von uns erwartet, ihm die Ehre geben.

Im Advent zu leben, bedeutet also: Es ist überhaupt nicht egal, wie ich lebe. Jesus hat einen Weg aufgezeigt, wie der Mensch gut für sich und mit anderen durchs Leben kommt. Und wenn er wiederkommt, am Ende der Zeit, wenn mein Leben zu Ende geht, dann wird er mich mit diesen Maßstäben konfrontieren. Dann wird die Wahrheit auf den Tisch kommen. Da wird es nicht nur froh und munter zugehen. Auch nicht unbarmherzig; das würde nicht zu dem passen, was Jesus uns von Gott gesagt hat. Aber eben doch in seiner ganzen nüchternen Wahrheit und vermutlich auch erschütternd. Sich darauf einzustellen, das nicht zu verdrängen - das bedeutet Advent eben auch.

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