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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14DEZ2020
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Muss ich als Kirchenmann auch noch etwas zur Wahl in den USA sagen? Ja, ich finde: Ich muss. Und warum gerade heute? Weil heute die Wahlfrauen und -männer in allen Bundesstaaten zusammenkommen und ihre Stimme abgeben. Das ist im komplizierten Prozess der Wahl des amerikanischen Präsidenten ein wichtiger, womöglich gar der entscheidende Schritt.

Wo Menschen es in der Hand haben, ist es wichtig, dass Wahrheit und Gerechtigkeit gewinnen. Weil alles andere die Autorität des mächtigen Amtes untergräbt und Vertrauen zerstört. Beides wird Joe Biden brauchen. Wenn er heute vom Gremium der Wahlleute gewählt wird. Und das hoffe ich sehr. Ich hoffe es als Christ. Und als solcher ist es mir wichtig, etwas dazu zu sagen.

Donald Trump hat die Vereinigten Staaten von Amerika gespalten. Große Gegensätze zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß sind aber unchristlich. Weil vor Gott jeder Mensch gleich ist und deshalb auch die gleichen Chancen verdient hat. Und das ist beileibe keine Kleinigkeit, sondern hat Konsequenzen für die Politik eines Präsidenten. Trump hat sein Land in den vergangenen vier Jahren geführt wie ein Wirtschaftsboss, dem es nur um die eigenen Interessen geht. So ruiniert man auf Dauer die politische Kultur und zeigt anderen Machtmännern: Wenn‘s bei dem klappt, dann wird das bei mir auch funktionieren. Siehe Großbritannien oder Türkei. Seine unberechenbare Außenpolitik war gefährlich für den Frieden auf der Welt. Und: Dieser Präsident hat auch den Anschein erweckt, als sei es kein Problem, sich offen rassistisch zu gebärden. Das wirkt sich auch bei uns aus, wenn Rechtsradikale meinen, sie könnten sich das auch erlauben.

Donald Trump kannte nur eine Wahrheit. Seine. Um sie durchzusetzen hat er ungezählte Male gelogen und die Fakten mit Füßen getreten. Als Christ erwarte ich aber von jedem die Fähigkeit, den Standpunkt des anderen ernst zu nehmen und wenn es darauf ankommt, Fehler einzugestehen und umzukehren. Versöhnung - das ist für mich ein Kernwort meines Glaubens. Nicht Spaltung. Ich hoffe und bete, dass der neue Präsident das besser machen wird. Der Präsident eines Landes, das zurecht so stolz ist auf seine Freiheit. Und auf seinen Wahlspruch: In God we trust. Wir vertrauen auf Gott. 

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