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SWR3 Gedanken

03DEZ2020
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Schon oft habe ich die Frage gehört: Betest Du eigentlich? Oder: Wie oft betest Du? Aber eine Frage hab ich noch nie gehört: Macht dir Beten eigentlich Spaß? Meine Antwort ist: Ja, ich bete sehr gerne. Nicht weil ich es muss. Weil es mir Spaß macht.

Gerade jetzt in den Zeiten des Lockdowns. Da habe ich mir sogar nochmal ganz andere Formen des Gebets angewöhnt. Ich singe zum Beispiel gerne. Gregorianik, also so wie die Mönche singen. Wunderschön ist das und geht sogar allein.

Am liebsten ist mir aber das Gebet mit anderen. Mit meinen Schüler*innen bete ich immer das Vaterunser. Wir machen dazu Bewegungen, das ist fast ein bisschen wie Qi Gong. Mit den Seniorinnen bete ich es konzentriert am Tisch sitzend. Und dann gibt es bei uns noch eine „Kirche der Stille“. Da beten wir gemeinsam in der Stille, sitzen dabei auf Meditationsbänkchen oder im Lotussitz. Wir schweigen und atmen und lassen unsere Gedanken kommen und gehen und zum Schluss beten wir miteinander laut das Vaterunser.

Ja, ich bete gerne. Und bin damit nicht allein. „Ich freue mich im Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott“ steht schon in der Bibel. Mir schenkt das Gebet Ruhe und Rhythmus. Ich freue mich einfach „drin zu sein!“ In Gott, wenn man so will. Im Flow, sagen vielleicht andere. Ich fühle mich geborgen. Mit anderen zusammen teile wir beim Beten unser Innerstes, zeigen Gott unsere Wunden und unsere Verletzungen.

Wie man Spaß am Beten kriegen kann? Vermutlich ist es wie mit allem. Der Spaß kommt, indem man es einfach tut.

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