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SWR2 Wort zum Tag

26NOV2020
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Vor wenigen Tagen wurden die beeindruckendsten Landschaftsbilder 2020 prämiert. Die Bilder sind in der Tat beeindruckend. Fotos vom Polarlicht in Nordnorwegen, von unwirklichen Sanddünen in den USA, seltsamen Steintürmen aus den italienischen Dolomiten, Bäumen im Nebel Australiens. Kaum zu glauben, dass das Fotos sind. Die Landschaften sehen eher wie gemalt aus.

Die Bilder beeindrucken mich vielleicht auch deshalb, weil sie Orte zeigen, die im Moment unerreichbar sind. Reisen ist fast unmöglich. Was im Moment bleibt, sind eben Bilder.

Wenn ich diese Bilder sehe, dann packt mich eine doppelte Sehnsucht. Ich würde so unheimlich gerne viele der Orte, die die Fotos zeigen, mal selber sehen. Nicht nur in einem viereckigen Rahmen, sondern grenzenlos. So weit das Auge reicht. Und dann packt mich die Sehnsucht, dass diese faszinierende Welt, die da zu sehen ist, noch von vielen Menschen gesehen werden kannn. Jetzt und in Zukunft. Von meinen Kindern und Enkeln und ihren Kindern.

Dafür ist aber mehr als nur Sehnsucht notwendig. Dafür ist es nötig, diese Bilder als Beweis zu sehen. Als Beweis dafür, wie unglaublich wunderbar unsere Erde ist. Das fordert mich heraus. Dass ich diesen Zauber überhaupt erst wahrnehme, mich von der Natur bezaubern lasse. Dafür muss ich allerdings gar nicht weit reisen. Das kann ich, wie es im Moment ja nur möglich ist, auch um die Ecke. Beim Spaziergang durch den Wald. Ich sehe das Moos auf den Steinen. Wenn ich nahe rangehe, erscheint es wie eine Landschaft. Mit winzigen Bäumen und riesigen Spinnen. Oder im Weinberg hoch über dem Rhein. An den Reben hängen die letzten Blätter. Jedes Blatt - eine andere Farbe. Rot in den unterschiedlichsten Tönen. Ein Feuerwerk an den Ranken.

So finde ich auch in Lockdown-Zeiten meine beeindruckendsten Landschaftsbilder 2020. Und lasse mir Mut machen, mich für den Schutz dieser Landschaft einzusetzen.

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