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SWR2 Lied zum Sonntag

01NOV2020
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Über den Schmerz hat der Dichter Siegfried Lenz geschrieben, er sei „das Dilemma zwischen unserem Ewigkeitstraum und unserer Endlichkeit“. Der Schmerz macht mir bewusst, dass mein Leben befristet ist. Aber er lässt mich zugleich dagegen anträumen und anhoffen.
Manchmal entspringt dem Schmerz auch großes künstlerisches Schaffen. Wie sich am Deutschen Requiem von Johannes Brahms zeigt. Der Impuls für seine Komposition war der Tod seines Freundes Robert Schumann und der Abschied von seiner geliebten Mutter.

Von Trauer erfüllt, aber nicht gelähmt von ihr, komponiert Brahms sein Requiem. Und setzt gleich zu Anfang ein mit der tröstlichen Antithese zum Schmerz, der Zusage aus der Bergpredigt: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“

Musik

Wie eine dunkle Ader, die aus der Tiefe aufsteigt und an die Oberfläche drängt, werden Schmerz und Leiden hörbar. Es ist eine Bewegung, die die Musik von Johannes Brahms gleich im Eingangssatz seines Requiems mitvollzieht. Der Trost aber naht sanft, leise und unaufdringlich. Bis er schließlich unüberhörbar wird in seinem Versprechen: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“

Musik

Mit der Musik von Johannes Brahms kann ich nachvollziehen, dass in Schmerz und Leiden auch ein großes Geheimnis verborgen sein kann. Dann erlebe ich nicht nur meine eigene Verletzlichkeit und Ohnmacht. Sondern auch das ganz Andere: das mich öffnen kann für eine Wirklichkeit, die mich trösten will. Und auch trösten kann, weil sie allen Schmerz übersteigt. Und größer ist als alles Leid.
Johannes Brahms ist in seinem Requiem zurückhaltend mit theologischen Aussagen. Und doch führt seine Musik hin zu diesem letzten Fluchtpunkt für alle, die vom Schmerz und vom Leiden gezeichnet sind.
Zu Gott als Tröster, der sich den Leidenden zuwendet in dem Versprechen Jesu aus der Bergpredigt: „Denn sie sollen getröstet werden.“
Es ist ein Trost, der mich in Klänge einhüllt wie in ein wärmendes Gewand.

Musik

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CD: Brahms. Ein deutsches Requiem. Track 1: „Selig sind, die da Leid tragen...“ MDR Leipzig Radio Chor und Symphonie Orchester unter Marin Alsop

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