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SWR2 Lied zum Sonntag

25OKT2020
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Im Lied von heute Morgen steht ein unschuldiges Tier im Mittelpunkt, es ist das Lamm. In der christlichen Liturgie spielt das Lamm immer dann eine Rolle, wenn es um Schuld geht. „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt. Erbarme dich unser.“

Hören wir eine sehr alte Version des lateinischen „Agnus Dei“, eine gregorianische Melodie.  

                

Musik 1: gregorianisch 

 

In den Sommerferien habe ich mit meiner Familie eine Schaf-Farm besucht. Das war in Holland, und da durften wir mit den „Lammetjes knuddelen“. So heißt das auf Niederländisch, wenn man die kleinen Lämmchen auf den Schoß nehmen, streicheln und eben auch knuddeln darf.

„Wie unschuldig diese kleinen Schaf-Babys aussehen.“, habe ich da im Sommer gedacht, als ich eines auf dem Schoß hatte. So ein Lämmchen tut doch niemandem etwas. Im Gegenteil: man muss gut drauf aufpassen.

Im Liedtext des „Agnus Dei“ heißt es, dass so ein Lamm das ganze Schuldenpaket der Menschheit übernehmen kann. „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi.“ Übersetzt: „Lamm Gottes, du trägst die Schuld der Welt.“ Ist das nicht absurd, dass gerade so ein zartes, unschuldiges Tier das schaffen soll?

 Musik 2

Im Lied ist das „Lamm“ ein Bild für Jesus. Der jüdische Wanderprediger von damals als „Lamm Gottes“ - schafft er das, die Schuld der Welt zu tragen? Mit seiner religiösen Überzeugung ist Jesus zu seiner Zeit erstmal haushoch gescheitert. Nur ganz Wenige haben ihm direkt geglaubt, was er über Schuld gesagt hat: dass jeder Mensch und die ganze Welt immer neu anfangen kann mit Gott. Niemand braucht dafür etwas leisten, oder gar Gott irgendetwas „opfern“. Gott erbarmt sich, ich brauche nur vertrauen.

Musik 3: Christe, du Lamm Gottes  

Ein kleines Lamm mit Kraft für die ganze Welt. Das scheint unmöglich, und doch steckt etwas Wahres darin. Das, was schwach ist oder ganz zart, kann mich bewegen.

Zum Beispiel wenn ich mich in einem Streit verfangen habe und nicht mehr weiß, wie ich da rauskomme. Wenn mich dann jemand friedlich berührt oder mich nur versöhnlich anschaut, dann kann mir diese kleine Geste eine Riesenlast nehmen.

Oder wenn ich bei einem schwerkranken, alten Menschen bin. Da verstehe ich auf einmal, was „Würde“ ist und wieviel Kraft diese Würde eines Menschen hat. Sie bleibt, auch wenn der Mensch ganz schwach geworden ist.

Das Schwache und Wehrlose kann mir helfen, dass ich mehr Frieden finde mit mir und meinem Leben. „Dona nobis pacem.“ „Gib uns den Frieden.“

So endet das Agnus Dei und wenn ich die Musik dazu höre, bete ich: Gott, hilf mir raus aus der Schuld und hilf der Welt zum Frieden! 

Musik: Haydn-Messe: dona nobis pacem 

 

Quelle

Musik 1: Agnus Dei (Missa Mundi)Thomas Wasserfaller, Schola der Stiftsmusik St. Peter Salzburg 

Musik 2: Christe du Lamm Gottes (Klavier) AGvH Jazz Sextet

Musik 3: Christe du Lamm Gottes, Stimmwerck 

Musik 4: Joseph Haydn, Agnus Dei aus Missab brevis Sancti Johannis de Deo, Ruth Ziesak, SWR Vokalensemble Stuttgart Heinz Holliger

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