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SWR3 Gedanken

11AUG2020
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Wir sollen das Fremde lieben! Das steht so in der Bibel und tatsächlich habe ich das auch erst vor Kurzem entdeckt. Ist auch gar nicht so einfach zu finden, dafür muss man nämlich in das griechische Original schauen: Philoxenie soll man üben, heißt es da und Manche übersetzen das Wort mit „Gastfreundlich sollt ihr sein.“  Aber das geht noch klarer, finde ich. Denn die Gäste, die ich bei mir zuhause gerne bewirte, die kenne ich ja ganz gut und sie sind mir nicht fremd.

Philoxenie ist die Liebe zu denen, die mir fremd sind und zu dem, was mir fremd und merkwürdig anders erscheint. Manche machen das in ihrem Urlaub, die reisen in fremde Länder, um diese Länder und die Leute darin wirklich kennenzulernen. Und doch, verlieben sich diese Reisenden dann gerne in dieses Land und lernen es immer genauer kennen. Aber jemand, der sich für Bali begeistert, der findet Island oder die USA weniger spannend. Aber um das Fremde zu lieben, müsste man ja eigentlich dahingehen, wo es einen am wenigsten hinzieht, oder?

Ich finde, das ist  eine spannende Aufgabe, die mir die Bibel da gibt: Dass ich das Fremde nicht ausschließe, sondern aktiv darauf zugehe. Das heißt, ich muss mich zu allererst fragen: Was ist mir so fremd, dass ich da gar nicht hinmöchte? Das muss ja kein Land sein, das kann auch der Nachbar sein, den ich komisch finde und der mir in seiner Art und Weise fremd ist. Und dann: Hingehen! 

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