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SWR3 Gedanken

„Sie gehören also- wie viele Frauen- zu den Simultanten!“ las ich in einem Aufsatz. Und der Ton war böse. Simultanten, das sind keine mutierten Tanten. Simultanten sind die, die mehrere Dinge gleichzeitig tun, also simultan. So gesehen sind auch die Onkel Simultanten, weil Männer das ja auch gerne tun. Mehrere Dinge gleichzeitig.
Mütter jedenfalls wissen sofort: das ist das, was ich ständig gemacht habe: Kochen, Hausaufgaben betreuen und den Popo abputzen, die Tür öffnen und telefonieren- alles gleichzeitig oder parallel. Die perfekte Simultantin! Und ich war stolz drauf.
Bis jetzt. Weil aus der Not von früher inzwischen ein richtiger Sport geworden ist. Super, jetzt hast du beim Autofahren die ganzen Telefonate erledigt- na, mit der Schwiegermutter kannst du noch morgen noch telefonieren, die kriegt ja eh nicht mit, dass du dabei deine ganze Bügelwäsche wegschaffst. Vom Simultant zum Simulant. So tun als ob. Als ob man interessiert, aufmerksam, einverstanden mit allem wäre. Red dich frei, bald isses vorbei.
Jesus, so wissen wir heute, hat nur drei Jahre Zeit gehabt. Drei Jahre, um seinen Glauben unter die Menschen zu bringen, drei Jahre, um Menschen zu heilen, zu trösten, auf den rechten Weg zu bringen. Und ohne ein Buch oder einen einzigen Brief zu hinterlassen hat er in diesen drei Jahren die Welt verändert.
Wie hat er das gemacht? Wenn ich in der Bibel lese, finde ich ganz viele Situationen, in denen er die pure Zeitverschwendung betrieben hat war. 40 Tage war er allein in der Wüste, mit nichts und niemandem. Nachmittage lang hat er mit den Kindern geschmust und geredet, die den Großen schon damals auf die Nerven gegangen sind. Und all die Abende mit Freunden beim Wein trinken, essen und erzählen. Wenn er da war, war er ganz da. Und wenn er nicht da sein wollte, war er weg. Ganz und gar weg.

Aber mich würde doch interessieren, wie der das gemacht hätte als Vater von mehreren Kindern.
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