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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

15JUN2020
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Eine der Folgen der Coronakrise: Plötzlich werden Zustände sichtbar, die sonst kaum zu sehen waren. Zum Beispiel die skandalösen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Menschen werden unter Mindestlohn bezahlt, hausen in Mehrbettzimmern, sind in schäbigen Absteigen untergebracht. Nur damit im Supermarkt das Gehackte für unter fünf Euro pro Kilo zu haben ist. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Schon in biblischen Zeiten machen Menschen klar, dass Gerechtigkeit zum Glauben und zu Gott gehören. Immer wieder treten Menschen auf, die im Namen Gottes Gerechtigkeit fordern. Amos etwa. Er lebt in einem Land, das von sozialer Ungerechtigkeit zerfressen ist. Amos beklagt, dass es weder Recht noch Gerechtigkeit gibt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er greift die Regierenden frontal an, prangert ihre Scheinheiligkeit an. Ihre Lippenbekenntnisse. Die, die sich scheinbar für alle einsetzen und dann doch Unterschiede zwischen den Menschen machen. Amos nimmt die Reichen und Mächtigen aufs Korn. Sie leben auf Kosten der Armen und Machtlosen. Ihr luxuriöses Leben ist nur mit Ausbeutung möglich.

Das klingt, als wäre es heute geschrieben. Heute gibt es zwar Kinderrechte, aber trotzdem arbeiten Kinder in Kupferminen, damit man jedes Jahr ein neues Handy kaufen kann. Heute gibt es Menschenrechte, aber trotzdem stirbt der wehrlose George Floyd durch Polizeigewalt.

Ich bin sicher: Eine Gesellschaft ohne Gerechtigkeit ist keine lebenswerte Gesellschaft. Für niemanden. Das war Amos klar. Und das kann auch heute jeder wissen. Jetzt ist wieder Zeit, dafür einzutreten.

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