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SWR2 Wort zum Tag

Was ist Glück?
Glück besteht nicht in der Erfüllung unserer Träume. So hat es ein bekannter Lebensberater formuliert. Glück besteht in der Versöhnung mit der eigenen Wirklichkeit.
Glücklich sind Menschen dann, wenn sie ein Ja finden zum Leben, zu ihrem Leben.
Trotz Enttäuschung, Leiden, trotz vieler unerfüllter Wünsche.

Er hat recht, denke ich. Und doch muss ich mich in diesen Gedanken hineinfinden.
Ich stelle mir unter Glück zunächst das ganz normale Glück vor: Das Wort kommt ja von gelücken, gelingen. Wenn etwas gelingt, dann habe ich Glück. Wenn ein Kind einen großen Wunsch erfüllt bekommt, dann strahlen seine Augen. Wenn ein junges Paar erkennt, dass sie füreinander geschaffen wurden, dann ist das Glück, pures Glück.
Auch in der Bibel gibt es diese Vorstellung, auch wenn hier das Wort Segen verwendet wird. Zahlreiche Kinder zu haben ist sichtbarer Ausdruck solchen Glückes, Wohlstand und auch das Erreichen eines hohen Alters gehören dazu.
Es ist schön, wenn Menschen einander Glück wünschen und eigentlich dieses göttliche Gelingen meinen. Und noch schöner ist es, wenn Menschen dann auch solches Glück haben, echtes, unverschämtes, unverdientes Glück.

Freilich ist dieses Glück kein Dauerzustand. Es gibt kein Leben, in dem alles gelingt.
Glück kann man verlieren. Das Buch Hiob erzählt vom Glück eines Menschen – und wie ihm dieses Glück genommen wird. Angeblich geschieht dies, um seinen Glauben zu prüfen. Eigentlich aber geschieht etwas ganz normales, Vorhersehbares: Aus einem glücklichen wird ein unglücklicher Mensch.
Und doch bleibt dieser Unglückliche auf eigenartige Weise ein gläubiger Mensch.
Er glaubt jetzt nicht mehr an Gott, sondern gegen Gott, wütend, enttäuscht, gedemütigt. Warum gerade ich?

Hiob macht die Erfahrung, dass Gott schweigt. Aber Hiob gibt nicht auf. Er redet, er betet, er verbrennt sich die Zunge. Und fast unmerklich geschieht es: Der Unglückliche versöhnt sich mit seiner Wirklichkeit. Ganz langsam findet er ein neues Ja zu seinem Leben, auch ein neues Ja zu Gott. Ein neuer Hiob wird geboren, und als geschieht, da beginnt auch Gott wieder für ihn zu reden.

So erfährt ein Mensch, dessen Träume zerstört wurden, neues Glück.
Und dieses Glück wünsche ich mir und anderen.
Dass ich Ja sagen kann zu meinem Leben und zu Gott.
Weil Gott – trotz allem – Ja zu mir sagt.
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