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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

14APR2020
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Schon Wochen vor Ostern war Ostern in aller Munde. Als Raunen erst: mindestens bis Ostern! Auch die Zeit vorher zog sich so lang wie noch nie. Als ich die ersten Bilder mit unfassbar vielen Särgen sah, dachte ich auch: Das ist wie noch nie. Trauer ist anders in diesen Tagen. Geschlossene Trauerhallen, leere Beerdigungen. So viele Besuche nicht möglich, wo es doch so wichtig ist, noch einmal die Hand zu halten.Erfahrungen wie noch nie.

Trauern: Loslassen, Hoffnung suchen in schwerer Zeit. Genau darum geht es an Ostern. An Ostern haben Christen einander anders als sonst zugerufen: Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Ich selber konnte das nur denken mit den Bildern der Särge vor Augen, mit Gedanken an erschöpfte Helfer und Verantwortliche und an die Sorgen der Menschen. Was macht das mit meiner Sorge? Christus ist auferstanden! Ich kann das heute nur sagen mit der Frage im Herzen: Gott, Du hast den Tod besiegt, aber warum sind wir nach wie vor so verwundbar?

Wer schon mal tief getrauert hat, kennt solche Fragen und Zweifel. Christen sind davon nicht ausgenommen. Ich würde ja gerne sagen: Durch die Auferstehung ist nichts mehr schlimm. Und im tiefsten Herzen vertraue ich auf ein Leben nach dem Tod. Ich vertraue auf die Erlösung, die Gott uns schenkt. Dennoch ist vieles nur schwer auszuhalten - Tod, Angst, ungewisse Zukunft. Da denke ich an Dietrich Bonhoeffer, der in der Nazizeit Schlimmstes durchmachen musste. Der hat trotzdem geglaubt, vertraut und hat gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Ostern soll auch weiterhin in unserem Munde sein! Ich wünsche mir,  dass die Osterbotschaft in viele Herzen findet. Sie heißt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Auch diese Krise nicht! Wir stehen auf, schon hier und jetzt, durch ein gutes Miteinander. Und hoffen, dass unsere Toten geborgen bleiben bei Gott. Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln! Möge das Mut machen für die Zeit nach Ostern – und für immer!

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