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SWR4 Abendgedanken

28FEB2020
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Irgendwann wird es bestimmt gut. Es hilft, sich das klar zu machen – vor allem, wenn die Dinge mühsam sind.

Meine Klavierlehrerin hat mir neue Stücke, die ich lernen sollte, immer zuerst einmal vorgespielt. Dann hatte ich eine Vorstellung, wie es eines Tages vielleicht klingen würde. Bis dahin war ja immer noch ein weiter Weg. Viel üben würde nötig sein. Mühsam habe ich mir Note für Note klarmachen müssen und ich musste herausfinden, mit welchem Finger welche Note am besten zu spielen ist. Der sogenannte Fingersatz ist eben auch ein gutes Stück Arbeit. Aber bei all dem hat mir immer geholfen, dass ich eine Vorstellung davon hatte, wie schön das Stück klingen würde, wenn ich es eines Tages gut spielen kann. So manche Überei hätte ich vermutlich mutlos abgebrochen, weil es zunächst so unbeholfen geklungen hat. Aber meine Lehrerein hatte mir ja gezeigt, dass es sich am Ende lohnt und dass ein schöner Klang dabei herauskommen kann. Das hat mich motiviert.

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. (Ps 126,1)

Das ist der Anfang eines Liedes aus der Bibel, der Anfang von einem Psalm. Er handelt davon, wie sich Menschen vorstellen, dass sie eines Tages froh sein werden. Jetzt ist ihr Leben noch mühsam. Sie seufzen und stöhnen. Sie müssen Spott ertragen und sind oft traurig. Aber sie vertrauen darauf, dass Gott sie herausholen wird aus ihrer Not. Und sie stellen sich vor, wie es dann sein wird. Sie haben eine genaue Vorstellung davon, dass sie eines Tages mit Gottes Hilfe wieder froh sind. Und deshalb singen sie:

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

Und dann erinnern sie sich daran und freuen sich, dass Gott ihnen ja schon oft beigestanden hat und deshalb singen sie:
Der HERR hat Großes an uns getan; deshalb sind wir fröhlich.

Wenn Dinge mühsam sind, kann es helfen, sich klarzumachen, dass es eines Tages gut werden wird. Das ist beim Klavierüben so. Und ich denke: Ich Leben ist das oft auch so.

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