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SWR4 Abendgedanken

27FEB2020
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„Wer weiß, wofür‘s gut ist!“ Mit diesem Satz hat eine Freundin versucht, mich zu trösten. Ich hatte eine neue Wohnung in Aussicht und habe mich schon sehr darauf gefreut. Ich war mir ganz sicher, dass es klappt und dass ich schon bald dort einziehen würde. In letzter Minute hat mir der Vermieter abgesagt. Da war ich schwer enttäuscht. Und erst mal ganz niedergeschlagen und mutlos.

„Wer weiß, wofür‘s gut ist,“ hat meine Freundin gesagt. „Wahrscheinlich findest du jetzt noch eine bessere Wohnung als die!“

Ich habe ihr nicht gleich rechtgeben können. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich meine Enttäuschung hinter mir lassen konnte. Dann habe ich mich neu auf die Suche gemacht nach einer Wohnung.
Wer weiß, wofür’s gut ist.

Zuerst habe ich ja gedacht, das ist nur ein schwacher Trost. Aber dann habe ich gemerkt: „Wer weiß wofür‘s gut ist.“ das heißt: Ich gehe davon aus, dass das, was gerade passiert ist, einen Sinn hat. Auch wenn ich den jetzt noch nicht erkennen kann.

Wer weiß, wofür‘s gut ist. Du kannst das Alte loslassen; was jetzt kommt, kannst du noch nicht wissen. Aber du kannst darauf vertrauen, dass es gut wird. Auch weil das Alte erledigt ist.

Jesus hat einmal gesagt:
„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt fürs Reich Gottes.“ Mir hilft dieser Satz immer dann, wenn ich prüfen muss, ob ich bereit bin, auf etwas Neues zuzugehen. Oder hänge ich vielleicht noch an dem, was gewesen ist? Jesus hat das zu einem Menschen gesagt, der eigentlich mit ihm mitkommen wollte. „Jesus, ich würde gerne mit dir mitkommen, aber ich will mich vorher noch von meinem Zuhause verabschieden.“

Jesus hat gemerkt:
Der Mensch war noch nicht wirklich bereit, mitzukommen. Erst musste er sich von dem lösen, was ihn festgehalten hat. Deshalb hat Jesus ihm geraten:

Du kannst erst nach vorne schauen, wenn das, was hinter dir liegt, dich nicht mehr festhält und dich nicht mehr beschäftigt.

Das loslassen, was gewesen ist. Damit ich auf Neues zugehen kann. Das Alte ist jetzt gut. Du kannst es gutseinlassen.
Du kannst es gut seinlassen. Nur ein kleiner Unterschied in der Betonung. Aber meine Freundin hatte tatsächlich den richtigen Punkt getroffen. Wer weiß, wofür’s gut ist. Es ist gut, wenn ich es hinter mir lassen kann. Wenn ich es gutsein lasse. Und dann den Kopf frei habe für Neues.

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