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SWR3 Gedanken

Wissen sie noch, wie viele Muslime in Deutschland Gewalt im Namen der Religion befürworten? Gerade mal fünf Wochen ist es her, dass fast alle deutschen Zeitungen diese Meldung brachten. Sie beruft sich auf eine Studie, die das Bundesinnenministerium in Auftrag gegeben hatte. Das ganze Werk umfasst zwar mehr als 500 Seiten, aber vor allem dieser dürre Satz war es, der in den meisten Köpfen hängen blieb.
Die Muslime, die ich kenne, werden wahrscheinlich frustriert den Kopf geschüttelt haben, denn das Gespräch zu suchen und Vertrauen aufzubauen ist ein mühsames Geschäft. Um unterschwellig vorhandene Vorurteile zu bestätigen genügt freilich schon ein gezielter Satz.
Natürlich ist es wahr, dass es Intoleranz unter fundamentalistischen Muslimen gibt – eben so wie unter fundamentalistischen Christen. Natürlich ist es wahr, dass es oft muslimische Jugendliche sind, deren Gewalttaten verunsichern. Wahr ist aber auch, dass dies wenig mit Religion und viel mit sozialer Verwahrlosung zu tun hat, und die gibt es weiß Gott nicht nur unter Einwanderern. Natürlich ist es wahr, dass die Fähigkeit und Bereitschaft zum offenen Dialog mit dem Bildungsgrad steigt. Das aber gilt für Araber, Türken oder Deutsche gleichermaßen und ist vor allem eine Herausforderung an die deutsche Bildungspolitik.
Wenn wir auch weiterhin nicht nur neben- sondern miteinander leben wollen, führt kein Weg daran vorbei immer wieder Räume und Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen. Im Alltag ist das oft mühsamste Graswurzelarbeit. Aber es ist der einzige Weg den ich kenne, damit nicht immer wieder die selben einseitigen Sätze in den Köpfen hängen bleiben.

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