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SWR2 Wort zum Tag

15NOV2019
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Meine Eltern mussten heiraten, damals, am 15. November. Wobei: ich, ihr erstes Kind, bin erst zwei Jahre später geboren. Nein – mein Vater bekam seine Stelle als Leiter eines Wohnheims der Caritas für Lehrlinge im Bergbau nur, wenn er eine Ehefrau mitbringt,  die – selbstverständlich unentgeltlich – mitarbeitet. Also mussten sie heiraten.

Ob heute noch jemand heiraten muss? Wohl kaum wg mitarbeitender Ehefrau. Aber auch, wenn ein Kind unterwegs ist und so genannte „richtige“ Eltern haben soll, geht es ohne Heirat. Selbst die katholische Kirche geht inzwischen  manchmal ein wenig freier damit um;  unverheiratet zusammenleben – das war lange ein absolutes NoGo… Da hat sich sicher schon einiges geändert.

Zwei Menschen heiraten aus Liebe. Haben sich lange und intensiv geprüft. Weil sie ja doch was Endgültiges vorhaben miteinander. Liebe, also wirkliche Liebe jedenfalls sehnt sich nach Ewigkeit. Und Menschen, die heute heiraten, haben sich das sorgfältig überlegt.

Dabei sollen die Gemeinden in der katholischen Kirche sie  deutlich besser unterstützen als bisher. Fordert der Papst. Denn die Kirche sieht in der Ehe ja viel mehr  als einfach nur ein Paar aus zwei Menschen, die sich füreinander entscheiden. Katholisch gilt die Ehe als Sakrament – ein wirksames Zeichen dafür, wie Gott die Menschen und die Welt liebt. Papst Franziskus hat vor drei Jahren einen langen Brief dazu geschrieben über die Fröhliche Liebe – Amoris Laetitia. Da hat er sehr deutlich daran erinnert, dass die jungen Leute sich vor der Heirat gut kennenlernen sollen –  sich selbst und die und den anderen. Und ihre Liebe anschauen – und dass sie realistisch auch daran denken, dass wahrscheinlich kritische Tage kommen werden. Auch, wenn sie dann vielleicht ein bisschen länger brauchen,  bis sie sich auch trauen und kirchlich heiraten  und einander das Sakrament spenden…

Schon ein paar Jahre vor Papst Franziskus hatte ein Bischof in Österreich „Zwanzig Gründe, nicht oder noch nicht zu heiraten“ aufgeschrieben. Nicht heiraten, rät er, wenn die zwei noch nie einen Streit hatten und den durch ein persönliches Gespräch gelöst haben; oder: wenn die Beziehung stark unter Langeweile steht…

Niemand muss heute mehr heiraten – das ist gut so. Des Bischofs zwanzig Gründe könnten helfen,  es – wenn schon – dann gut überlegt zu tun  und mit Aussicht auf Dauer.

Ach ja: Bei meinen Eltern war es heute vor achtundsechzig Jahren.

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