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SWR2 Wort zum Tag

14NOV2019
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Gut vierzig Tage noch bis Weihnachten. Aber „Weihnachten“ – das Christ-Fest?  Immer wieder gibt es mal politische oder andere Versuche,   mit solchen Begriffen Schluss zu machen.  So wie vor ein paar Jahren in Oxford in England. Christmas sollte es nicht mehr geben. ChristmasExit, sozusagen. Denn das Stadt-Parlament wollte political correct sein;  „christmas“ zu sagen, das verletze die religiösen Gefühle der Nicht-Christen…

Also heißt die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt „Winter lights“ und ist Teil eines „Winter festival“. Specially not amused waren die Vertreter der anderen Religionen. Sabir Hussain Mirza vom Muslim Council of Oxford zeigte sich entsetzt. Christen, Muslime und alle anderen Religionen freuen sich doch auf Christmas. Rabbi Eli Bracknell kritisiert: „Wenn jemand das Christentum wegwischt, greift er die britische Identität an.  WinterLight umfasst alle Feste – aber es verdeckt sie auch.“ so die jüdische Stimme.  Und der Christ James Grote stellt fest: Die Leute fühlen sich nicht angegriffen, wenn sie vom Glauben der anderen hören.

In Oxford haben die Abgeordneten dann schon bald angefangen, zurückrudern: Einen Christmas tree, einen Weihnachtsbaum, gab es natürlich doch wieder, hörte man aus dem Rathaus. Wobei aufgeklärte Christen wissen,  dass der Weihnachtsbaum nun ausgerechnet nicht gerade ein christliches Symbol für Weihnachten ist.

Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist es absurd, wenn jemand in der Politik versuchen will, der europäischen Kultur die geschichtlichen Wurzeln auszureißen;  die sind eben auch christlich. Jedenfalls vom Christentum  und seinen jüdischen Wurzeln mitgeprägt;  und übrigens auch vom Islam des Mittelalters.

Und wer anfängt, die christlichen Feste abzuschaffen, will in Wirklichkeit Religion überhaupt weghaben – deswegen protestieren auch Juden und Muslime.

Andererseits: Was inzwischen in unseren Städten unter dem Stichwort „Weihnachten“ läuft: Wie viel davon, bitte, ist christlich oder wenigstens verbunden mit dem, was Weihnachten ursprünglich meint!?

Wenigstens denken könnte man das doch mal: Das inzwischen übliche Weihnachten abschaffen und das Fest der Geburt des Jesus Christus sowas wie neu entdecken, dass da Gott geboren wird an der Seite der Armen; und daraus die Konsequenzen ziehen. Und das braucht mehr als vierzig Tage  und geht sicher über Weihnachten hinaus!

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