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SWR4 Abendgedanken

22OKT2019
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Im Kongo werden jeden Tag vermutlich über hundert Frauen vergewaltigt und Männer und Kinder getötet. Regionale Warlords vertreiben auf diese Art und Weise die Bevölkerung, reißen Dorfgemeinschaften auseinander, traumatisieren Frauen, Kinder und Männer. Ihr Ziel: Land zu gewinnen, um dort an die Bodenschätze zu gelangen. Vor allem Coltan wird im Kongo auf diese Weise gewonnen. Die Warlords verkaufen dann die abgebauten Rohstoffe. Sie finanzieren damit neue Waffen, Schmiergelder und ihren eigenen, ausufernden Lebensstil.

Und wer kauft etwas, das auf diese Art und Weise produziert wurde, etwas, das Menschenleben gekostet und Glück und Gesundheit zerstört hat? – Sie tun das. Ich auch. Wir alle. Coltan ist in jedem Handy, in jedem Laptop, in jeder Batterie eines E-Autos enthalten. Und sauber gewonnenes Coltan, das gibt es derzeit auf dem Weltmarkt kaum.

Friedensnobelpreisträger Doktor Denis Mukwege, der die Opfer in seinem Krankenhaus im Kongo behandelt, hat über dies alles in einem Vortrag berichtet. Ich habe ihm zugehört und kam mir auf einmal dreckig vor. Ich habe mich geschämt für das Handy in meiner Hosentasche und den Laptop in meinem Rucksack. Sind dafür auch Menschen gestorben?

Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Jeder Mensch hat eine Würde, jeder Mensch ist unendlich wertvoll. Und dann kann ich mich doch nicht einfach wieder in Ruhe an meinen Laptop setzen oder das Handy aus der Tasche ziehen, als sei nichts gewesen.

Wir alle können nämlich etwas tun. Wir können aufhören, mit jedem Handyvertrag auch gleich ein neues Handy zu kaufen. Wir können im Handyladen nach fair produzierten Produkten fragen. Solche Handys gibt es nämlich, auch wenn sie natürlich teurer sind. Wir können alte Handys zum Recyceln geben. So können die Rohstoffe wiederverwertet werden und kosten keine neuen Menschenleben-

Auch wenn es Überwindung kostet, einen ersten Schritt zu machen. Wir können anfangen! Jetzt. Denn jede vergewaltigte Frau, jeder getötete Mann ist einer zu viel.

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