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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

10AUG2019
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Heute hat Laurentius Namenstag.
Der wurde – Kinder hören jetzt mal kurz weg – geröstet und starb den Märtyrertod. Das ist traurig. Aber beeindruckend ist, was er getan hat. Denn Laurentius verfügte in seinem Leben über eine Art inneren Kompass, der ihm zeigte, worauf es ankommt. Laurentius war Diakon, das heißt übersetzt Diener. Er verwaltete das Kirchenvermögen und sollte es auch ausgeben. Und zwar für die Armen. Heutzutage unvorstellbar, dass jemand zugleich Finanz- und Sozialminister ist. In der frühen Kirche ging das nicht nur, sondern das war sogar gewollt. Laurentius musste gut mit dem Geld wirtschaften, um es dann an Bedürftige weiter geben zu können.  Eine verantwortungsvolle Aufgabe, für die man Köpfchen braucht und Herz. Laurentius hatte beides – und dazu auch noch Humor und Mut.

Als der römische Kaiser in Rom ihm Gewalt androhte und verlangte, den Kirchenschatz bei ihm abzuliefern, verteilte Laurentius das Geld unter den Armen und Kranken, den Lahmen und Blinden, den Aussätzigen und den Witwen und Waisen. Also unter denen, die ganz wenig oder gar nichts hatten. Da gehörte es ja hin, das Geld der Kirche. Dann präsentierte er dem Kaiser alle diese Menschen als den wahren Schatz der Kirche. Der Kaiser bekam nichts und rächte sich fürchterlich. Laurentius wurde zum Märtyrer.

Hut ab vor so viel Mumm! Wie unbestechlich Laurentius war! Er ließ sich nicht davon abbringen: auch Menschen, die nichts haben, die verletzt sind, am Rand stehen, wenig leisten, alle die sind ein Schatz. Ein wahrer Schatz. Und sie brauchen und verdienen Unterstützung. Ich glaube, diese Überzeugung müsste sich wie ein roter Faden durch viele Entscheidungen in der Kirche und in der ganzen Gesellschaft ziehen. Damit uns der Blick für die Menschen nicht verlorengeht. Laurentius wusste um den unendlichen Wert des Menschenlebens. Kostbar sind wir, wertvoll. Jeder und jede. Keiner und Keine darf verloren gehen.  

Und ich finde: Wer so denkt wie Laurentius und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, der ist selber – ein Schatz.

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