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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

08AUG2019
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Leider ist es mittlerweile Alltag. Auch bei uns in Rheinland-Pfalz. Auch bei uns gibt es eine Verrohung der Sprache. Manche schreiben und handeln voller Hass. Besonders zugenommen hat diese gesprochene Gewalt gegenüber denen, die öffentlich Verantwortung übernehmen und ohne die ein Dorf, eine Stadt, unser Land nicht funktionieren würde. Es kommt vor, dass eine Politikerin lesen muss: Ich stech dich ab, du Sau! – Und sogar die Kinder der Politiker werden bedroht. Ich finde, das ist kaum auszuhalten.

Im Grundgesetz heißt es: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen ausgeübt. Nicht mit Schimpfworten und Drohungen, schon gar nicht mit Schlägen oder Anschlägen. - Leider berichten Abgeordnete, Minister, Bürgermeister, Feuerwehrleute und Richter anderes. Einzelne wählen bewusst böse Worte. Menschen sind bereit, sich für unser Gemeinwesen und unsere Demokratie einzusetzen. Wir haben sie gewählt und ausgewählt um uns zu vertreten. Und dann werden sie beschimpft, angepöbelt, mit dem Tod bedroht.

Natürlich sind Beleidigungen und Beschimpfungen strafbar. Aber mein Eindruck ist, dass es mittlerweile mehr Engagement von allen braucht. Wenn ich mich ordentlich benehme und nicht herumpöbele, ist das nicht genug.

Es geht um Respekt voreinander: Das Wort bedeutet auf Deutsch: Zurück-schauen, zurückschauen zu dem, der mich anschaut. Das heißt: genau so, wie ich betrachtet und angeschaut werden will, so schaue ich auch die anderen an. Es ist ein wechselseitiger Blick. Respekt ist also so ähnlich wie der Blick in den Spiegel.

Respekt beschäftigt sich mit Frage: Wie sehen wir einander an? Kann ich im anderen noch den Menschen sehen, der vielleicht Fehler macht – aber sich doch eingesetzt und Mühe gegeben hat? Mache ich nicht auch Fehler?  Unsere Gesellschaft gehört in die Sehschule, damit wir unsere Mitmenschen wieder als Menschen sehen. Fehler machen ist menschlich. Unterschiedlicher Meinung sein ist menschlich. Gewalt ist für den Einzelnen tabu. Gewaltig sollen in einer Demokratie nur die Wahlen sein.

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