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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Kran-ken-haus-Seel-sor-ge-rin“ liest ein Junge auf dem Schild an meiner Jacke.
„Und was ist das?“
„Naja, ich besuche die kranken Kinder hier und ich spreche mit den…“
Schon werde ich unterbrochen:
„Weißt du was? Ich habe mir den Brustwirbel gebrochen, der da“, er zeigt auf seinen Bettnachbarn „ist gegen `ne Glastür gerannt und der da hinten hat die Beine durchgebrochen. - Kannst du auch spielen?“
„Klar“, sage ich. Sofort holt er ein Spiel hervor.

Da ist kein Bedarf für lange Erklärungen; nur ein knapper Lagebericht und schon kommt er zur Sache: Spielen will er.

Spielen ist hier wichtig, das habe ich schnell gelernt. Kinder gewinnen spielend Zutrauen. Und plötzlich sagen sie dann Sätze wie:
„In der Schule werde ich geärgert wegen meiner Hautfarbe“, oder „seit gestern warte ich auf meine Eltern, aber sie kommen nicht“, und sie lassen mich teilhaben an ihrem Kummer.
Und der sieht bei jedem anders aus.

Nur eine Frage wird mir immer wieder gestellt: Seelsorge - was ist das eigentlich? Und überhaupt: Wie muss man sich das vorstellen, wenn Menschen einander beistehen?

In einem Heftchen zur Seelsorge stolpere ich über eine kleine Begebenheit, die das sehr schön beschreibt:
Ein kleines Mädchen geht zum ersten Mal selbstständig Einkaufen. Eine ältere Spielfreundin begleitet sie. Als das kleine Mädchen an der Kasse bezahlt hat, fragt die Kassiererin das größere Mädchen:
„Und was bekommst du?“ Die Ältere antwortet:
„Ich will nichts. Ich bin bloß mit.“

– Und so verstehe ich meine Aufgabe: Ich bin bloß mit. Und so verstehe ich die Aufgabe all derer, die jemandem beistehen in einer schwierigen Situation:
ich bin bloß mit, denn ich verfolge keine bestimmten Absichten;
ich begleite dich ein Stück deines Weges, aber du bestimmst die Richtung.
Ich lasse mich auf dich ein. Und ich gehe wieder weg.

„Ich bin bloß mit“, sagen viele und meinen, das sei doch nichts. Aber es ist wertvoll. Und ich bin überzeugt: In solchen Begleitungen ist Gott auch immer mit. Und er bleibt auch noch, wenn alle seine Helfer gegangen sind.
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