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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

01AUG2019
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5 x 4 cm groß und 1 cm dick. Das sind die bescheidenen Maße eines Tonplättchens. Aber wer sich das Stück ein wenig näher anschaut, der entdeckt auf der Vorderseite zwei griechische Buchstaben: Chi und Rho. Es sind die Initialen für den Namen CHRISTUS.

Und genau das macht das Plättchen so wertvoll. Es ist das älteste christliche Zeugnis in der Pfalz, aus der Mitte des 4. Jahrhunderts.

Gefunden wurde es vor genau 100 Jahren bei Ausgrabungen in Eisenberg. Hier, unweit des Donnersbergs, bauten die Römer Eisenerz ab. Es entstand eine kleine Siedlung, direkt an der wichtigen Straße von Worms nach Metz. Und wie die Mini-Keramik beweist, gab es damals bereits Christen in der Nordpfalz.

Das Tonplättchen verwendeten sie als Brotstempel. Denn auf der Rückseite findet sich ein Kreuzbalken und auf den Kanten liest man: „Ad panem pingere – utere felix“, auf deutsch: „Auf das Brot zu drücken - gebrauche es glücklich“.

Brot und Wein. Das steht seit dem letzten Abendmahl im Zentrum des christlichen Glaubens. Im Brot der Eucharistie ist Christus in seiner Gemeinde gegenwärtig.

Brot war und ist aber auch das Grundnahrungsmittel Nr.1. Nicht von ungefähr steht die Bitte um das tägliche Brot im Vaterunser. Und auch deshalb zeichnen manche Christen bis heute vor dem Anschneiden ein Kreuz auf den frischen Brotlaib. In Eisenberg diente dazu der Brotstempel.

Sein Entdecker im Jahr 1919, Friedrich Sprater, war Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Und so findet man den Eisenberger Brotstempel noch heute dort. Bis zum März kommenden Jahres ist er in einer Sonderausstellung zum römischen Kaiser Valentinian I. (364-375) zu sehen. Dieser christliche Herrscher residierte in Trier, war aber auch immer wieder in der Pfalz unterwegs. Während Valentinians Regierungszeit könnte dieses frühe Zeugnis des Christentums bei uns entstanden sein.

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