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SWR2 Wort zum Tag

Undenkbar, so eine Szene im Kleidergeschäft: Kunde probiert den chicen Dreiteiler-Anzug an –  gefällt ihm aber nicht so richtig oder ist zu weit oder zu eng; Kunde reicht das Teil aus der Kabine heraus –  und der Verkäufer hält ihm gleich den Müllsack hin. Kann leider nicht wieder in die Auswahl zurück –  ist ja nicht mehr ganz neu.

Geht’s noch? Ja – geht noch; und zwar immer stärker da, wo die Leute zu Hause bleiben statt in die Stadt oder in den Laden zu gehen. Online auswählen, was gefallen könnte und vielleicht passt;  gerne auch in eine Nummer kleiner oder größer bestellen. Kann ich ja einfach zurückschicken. Gesagt getan – und wenn’s gut geht, wandern nur zwei der drei bestellten Teile aus der Retoure beim Versandhändler in die Tonne.

Das hat die Politik angeblich erst vor zwei Wochen als Problem entdeckt. Kurz vor Beginn der Saure Gurken-Zeit. Hektische Betriebsamkeit; endlich mal wieder ein leicht handelbares Thema das die Leute auch gut verstehen und an dem wir zeigen können,  dass wir was tun. Vielleicht ist es ja nebenbei auch mitmotiviert von den Kids,  die heute schon wieder weltweit demonstrieren für ihre eigene und für die Zukunft der ganzen Welt. Fridays for future eben.

Denn damit hat die unglaubliche Vernichtung von Ressourcen  natürlich ganz direkt etwas zu tun: Da werden Rohstoffe zu Waren verarbeitet – etwa Baumwolle zu Klamotten; die werden hin und her transportiert – von oft schlecht bezahlten Kurieren; und schließlich weggeschmissen, weil nicht mehr neu, statt dass jemand sie überprüft, vielleicht reinigt und bügelt oder jedenfalls als B-Ware noch mal auf den Markt bringt. Da wäre Arbeit zu vergeben gewesen –  und wer sich nie so ein edles Teil  hätte leisten können,  trägt auf einmal die edlen Marken – sie wissen schon. Welch eine winwinwin-Situation, wenn mehr Leute endlich anfangen, es zu verstehen: es gibt keinen Planet B.

Gott hat den Menschen die Schöpfung geschenkt; allen.  Und die Generation von heute hat sie von ihren Kindern nur ausgeliehen. Diese Welt ist begrenzt und soll noch lange halten. Also auf in den Laden, wenn ich was Neues zum Anziehen brauche; versuchen, ob jemand mir das defekte Küchengerät reparieren kann, statt es wegzuwerfen und ein neues zu kaufen.  Es ist nur ein bisschen unbequemer; aber eben auch viel nachhaltiger. Und zugleich ein Beweis dafür, dass auch Menschen von heute so etwas wie Anstand haben und Ehrfurcht empfinden vor der Schöpfung und ihrem Schöpfer.  Und Achtung und Wertschätzung für die Kinder –  für die eigenen und die Kinder der Welt.

 

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