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Anstöße sonn- und feiertags

Am heutigen Pfingstsonntag dreht sich alles um den Heiligen Geist, der uns begeistern und Mut machen soll, uns auch auf Neues einzulassen. Aber das ist gar nicht so einfach, ich meine, sich auf etwas ganz Neues einzulassen. Meine Frau und ich werden im Juli umziehen. Unser neuer Wohnort ist 250 km entfernt. Im Urlaub sind 250 km keine Entfernung, aber Umziehen ist eben kein Urlaub. Da heißt es viele Beziehungen und Kontakte loslassen und in ein „fremdes Land“ umziehen, auch wenn nur ein anderes Bundesland ist, ist es doch fremd und so ein Umzug kann auch Angst machen.

Ich muss an Abraham denken, den aus der Bibel. Der bekommt eines Tages von Gott den Auftrag, aus seiner gewohnten Heimat auszuziehen, in ein fremdes Land, das Gott ihm zeigen wird. Und Gott gibt dem kinderlosen Abraham noch ein Versprechen mit: „Ich will aus dir ein großes Volk machen“. Heute berufen sich Judentum, Christentum und Islam auf ihren Stammvater Abraham.

Sollte mich aber der Gedanke an Abraham trösten? Er ist nie wirklich „angekommen“ und in dem neuen Land sesshaft geworden. Erst seine Nachkommen haben tatsächlich dort Heimat gefunden.

Aber vielleicht ist „Umzug“ nicht nur eine Sache, die mit vielen Kartons zu tun hat? Es gibt – wenn ich es recht bedenke - viele Situationen im Leben, in denen ich Liebgewonnenes loslassen muss. Eine neue Arbeit, ein Studium, ein Schulwechsel oder eine neue Partnerschaft - so verlockend das scheint, bedeutet es immer auch eine weitere Reise in ein fremdes Land. Ich weiß nie vorher, was die Zukunft bringen wird. Je älter ich aber werde, um so mehr weiß ich – leider – was alles schief gehen kann.

Ob Abraham und seine Frau damals auch Sorgen plagten, was die Zukunft ihnen bringen wird? Ganz bestimmt. Und trotzdem lassen sie sich auf diesen Weg ein. Warum? Weil Gott ihnen verspricht: Ich bin bei euch auf diesem Wege, ich will euch segnen.

Ich glaube, dass Gott mit uns geht, wenn wir „umziehen“ – sei es mit vielen Kisten, oder in den besonderen Situationen unseres Lebens. Ich habe deshalb schon oft meine Hände gefaltet und Gott gebeten, mir den richtigen Weg zu zeigen, mich zu begleiten und zu segnen auf diesem neuen Weg.

Ich kann nur sagen, dass ich dann immer wieder erlebt habe, wie er meinen Weg begleitet, manche Türen öffnet und andere verschließt, manches gelingen lässt und anderes auch nicht. Aber selbst, wenn etwas schief geht, ist es gut, dass ich mit Gott darüber reden kann. Und wenn ein Umzug in meinem Leben gelingt, dann danke ich Gott dafür.

 

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